Von der Kontrolle zur Achtsamkeit: Die Evolution des Sicherheitssystems
Die Entwicklung der Sicherheitskultur in Großkonzernen durchläuft unweigerlich die Phase des Übergangs von strenger Kontrolle zur Förderung eines bewussten Verhaltens der Mitarbeiter. Im Rahmen des Webinars analysiert Ivan Polishchuk, Direktor des Zentrums für Kultur- und Sicherheitsentwicklung bei Rosatom, die praktischen Erfahrungen bei der Transformation des HSE-Managementsystems in einem Unternehmen mit 250.000 Mitarbeitern. Der Referent zeigt am Beispiel einer groß angelegten Struktur, wie die Einführung des Vision Zero-Konzepts die Ansätze zur Zielsetzung und Leistungsbewertung verändert.
Dreijähriger Transformationszyklus von Pilotunternehmen
Die systematische Arbeit zur Veränderung der Sicherheitskultur erfordert ein langfristiges Engagement und eine klare Methodik. Der Vortrag geht detailliert auf den Algorithmus der Arbeit mit Pilotunternehmen ein, der mehrere Schlüsseletappen umfasst:
- Interview mit der Führungskraft: Das Verständnis der Motivation und Vision des Generaldirektors bestimmt den Erfolg des gesamten Projekts. Ohne einen bewussten Auftrag von oben werden sich Veränderungen nicht durchsetzen.
- Diagnose und Bewertung: Vergleich der Selbsteinschätzung des Top-Managements mit den Ergebnissen einer unabhängigen Diagnose und einer anonymen Mitarbeiterbefragung. Dies ermöglicht es, Lücken in der Wahrnehmung der Situation zu erkennen und den Grad der Offenheit im Team zu bewerten.
- Schaffung der Infrastruktur: Bildung von Räten für sicheres Verhalten und Arbeitsgruppen zur Entwicklung von Roadmaps. Die Instrumente werden individuell an die Besonderheiten jedes Unternehmens angepasst.
Übergang von reaktiven zu proaktiven Kennzahlen (KPIs)
Traditionelle Kennzahlen wie die LTIFR (Unfallhäufigkeitsrate) und die Verringerung der Unfallschwere funktionieren gut in der Phase des Aufbaus eines grundlegenden Kontrollsystems. Für den weiteren Weg zu null Unfällen reichen sie jedoch nicht aus. Der Referent erläutert, warum das Unternehmen beschlossen hat, das KPI-System zu überarbeiten:
- Das "Taillen"-Problem in der Heinrich-Pyramide: Eine starre Bindung der Motivation an reaktive Kennzahlen führt oft dazu, dass leichte Verletzungen und Mikroverletzungen verheimlicht werden, was das reale Bild verzerrt.
- Einführung proaktiver Metriken: Der Fokus verlagert sich auf Kennzahlen, die die Prävention von Vorfällen stimulieren. Dazu gehören die Anzahl der eingereichten Verbesserungsvorschläge, der Umgang mit Mikroverletzungen und gefährlichen Handlungen sowie das Management von Berufsrisiken.
- Aufteilung der Motivation: Reaktive Kennzahlen bleiben als Abminderungsfaktoren bestehen, während proaktive Kennzahlen motivierend wirken und Mitarbeiter für ihre aktive Teilnahme an Sicherheitsfragen belohnen.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie baut man einen dreijährigen Transformationszyklus der Sicherheitskultur in einem Unternehmen auf?
- Warum können traditionelle Unfallkennzahlen (LTIFR) die Entwicklung des HSE-Systems bremsen?
- Welche proaktiven KPIs helfen dabei, Mitarbeiter in das Risikomanagement einzubeziehen?
- Wie erkennt und beseitigt man die "Taille" in der Heinrich-Pyramide, um die reale Vorfallstatistik zu sehen?
- Wie organisiert man die Diagnose des Niveaus der Sicherheitskultur richtig und wie arbeitet man mit deren Ergebnissen?