Arbeitsunfälle stehen stets im Fokus des Arbeitgebers, und „Vision Zero“ ist ein erstrebenswertes Ziel für alle Unternehmen, unabhängig von der Branche. Die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Prävention von Arbeitsunfällen ist ein kontinuierlicher Prozess, der in den Betrieben durchgeführt wird.
Fehlzeiten von Mitarbeitern aufgrund von häuslichen Unfällen bleiben jedoch oft außerhalb des Aufmerksamkeitsbereichs des HSE-Managementsystems. Dabei ist „Sicherheitskultur“ genau das Verhalten eines Mitarbeiters in Momenten, in denen niemand „zuschaut“ – und gerade zu Hause im Alltag verhält sich der Mitarbeiter so, wie er es gewohnt ist, wie er es kann und wie er geschult wurde.
Im Jahr 2022 hat unser Unternehmen im Zuge der Transformation des HSE-Managementsystems und zur Erhöhung dessen Transparenz häusliche Unfälle als Informationsquelle für die Effektivität des Systems identifiziert. Wir gingen davon aus, dass eine häusliche Verletzung eines Mitarbeiters Anlass zu Zweifeln gibt: Handelt es sich vielleicht um einen verschleierten Arbeitsunfall? Zudem bedeutet die Abwesenheit eines Mitarbeiters aufgrund einer Verletzung immer einen Verlust für das Unternehmen.
Es wurde beschlossen, ein System zur Erfassung und Analyse von häuslichen Unfällen im Unternehmen zu entwickeln und einzuführen.
Was haben wir erreicht? Das Wichtigste ist die Senkung der Gesamtrate der Unfälle (Arbeitsunfähigkeitstage durch häusliche Unfälle plus Arbeitsunfälle) um 20 % innerhalb von zwei Jahren.
Heute besteht das System aus folgenden Elementen:
Die Datenerfassung und -analyse basiert auf einem automatisierten System. Informationen über die Verletzung eines Mitarbeiters erhalten wir, wie alle Arbeitgeber, über elektronische Krankschreibungen mit dem entsprechenden Code. Auf Basis der eingegangenen Krankschreibung generiert das System eine Anfrage an das Mobiltelefon des Mitarbeiters in Form eines Links zu einem Fragebogen, in dem der Mitarbeiter Informationen über die erlittene Verletzung eintragen kann (Datum, Art der Verletzung, kurze Umstände und auf Wunsch ein Foto beifügen). Falls der Mitarbeiter innerhalb von drei Tagen nicht auf den Fragebogen reagiert (was vorkommt, da es keine Pflicht, sondern eine Möglichkeit ist, über die Verletzung zu berichten), wird die Aufgabe an den Leiter der Abteilung weitergeleitet, in der er arbeitet. Dieser klärt, was mit dem Mitarbeiter passiert ist, und füllt den Fragebogen mit den Basisdaten aus. Aus den eingegangenen Fragebögen wird ein elektronisches Register erstellt.
Auf Grundlage der Informationen über häusliche Unfälle erfolgt eine regelmäßige Analyse: Wöchentlich berichtet der Abteilungsleiter in einer Telefonkonferenz zum Thema Arbeitssicherheit über die Unfälle seiner Mitarbeiter; monatlich erfolgt ein Bericht durch den Direktor für Arbeitssicherheit im Rahmen der werksweiten Führungskräftetagung.
Basierend auf den Ergebnissen der Analyse werden folgende Schulungs- und Informationsmaßnahmen umgesetzt:
Die Mitarbeitermotivation basiert auf der Einführung von KPIs für die Gesamtrate der Unfälle (Arbeitsunfähigkeitstage durch häusliche Unfälle plus Arbeitsunfälle) in der Abteilung am Jahresende für Abteilungsleiter, Führungskräfte der Ebenen GD-1, GD-2 und den Generaldirektor.
Das System verringert den Anreiz für das Personal, Informationen über Arbeitsunfälle zu verschleiern, da die Einstufung einer Verletzung als häuslicher Unfall die Leistungskennzahlen nicht verbessert. Dementsprechend haben wir die Möglichkeit, Maßnahmen zur Vermeidung realer Verletzungen zu entwickeln und umzusetzen, um deren Wiederholung zu verhindern.
Ein ehrlicher Dialog mit den Mitarbeitern ist die Grundlage für ein erfolgreich funktionierendes HSE-Managementsystem im Unternehmen!