Trotz der Entwicklung von Technologien und der Automatisierung von Prozessen bleibt die Zahl der Arbeitsunfälle hoch. Die Analyse von Unfalluntersuchungen verweist oft auf den berüchtigten „menschlichen Faktor“. In ihrem Vortrag analysiert Natalia Kalmykova, stellvertretende Leiterin der HSE-Abteilung bei „Ajax Engineering“, detailliert, was sich hinter diesem Begriff verbirgt, und beweist: Eine der wichtigsten, aber oft nicht offensichtlichen Ursachen für Tragödien ist die mangelnde kommunikative Kompatibilität im Team.
Die Referentin führt Beispiele realer Unfälle bei gasgefährlichen Arbeiten an, bei denen das Ignorieren von Warnungen der Kollegen, mangelnde Autorität der Führungskraft oder die Unfähigkeit, Informationen über Gefahren richtig zu vermitteln, zu schweren und tödlichen Folgen führten. Diese Fälle zeigen deutlich, dass das psychologische Klima und die Fähigkeit der Mitarbeiter, effektiv miteinander zu interagieren, keine abstrakten Konzepte sind, sondern kritische Elemente der Arbeitssicherheit.
Um die tieferen Ursachen von Arbeitsunfällen zu ermitteln, führte die Referentin eine groß angelegte Studie durch und analysierte über 1500 Unfälle aus 20 Jahren in Abteilungen des Brennstoff- und Energiekomplexes. Der Einsatz mathematischer Methoden, insbesondere der Pearson-Korrelationsanalyse, ermöglichte es, verborgene Muster aufzudecken.
Die Studie ergab beispielsweise, dass Schichtarbeit am unfallträchtigsten ist, was durch längere soziale Isolation erklärt werden kann. Interessanterweise erwies sich der Mittwoch als der gefährlichste Wochentag – der Tag, an dem nach der Zuweisung von Aufgaben und der Ausstellung von Arbeitsfreigaben die eigentliche Arbeit beginnt. Die Anwendung der „5-Why“-Methode und die Erstellung von Ereignis- und Bedingungsskalen bestätigten: Mangelnde kommunikative Kompatibilität ist die Hauptursache für die meisten Unfälle im Zusammenhang mit unzureichender Arbeitsorganisation.
Basierend auf den gewonnenen Daten entwickelte Natalia ein automatisiertes Softwaresystem zur Bewertung der kommunikativen Kompatibilität von Mitarbeitern. Als experimentelle Plattform für die Implementierung diente das Unternehmen „Gazprom transgaz Yugorsk“.
Das System arbeitet in mehreren Phasen:
Es ist wichtig anzumerken, dass die Einstufung eines Mitarbeiters in die „rote Zone“ (Ablehnung durch das Team) kein Grund für eine Entlassung ist. Das Programm bietet eine Reihe von Anpassungsmaßnahmen: Schulungen, Gespräche mit einem Psychologen, zusätzliche Weiterbildung. Das Ziel ist es, die Kommunikation zu verbessern und nicht, die Fachkraft loszuwerden.
Die Einführung des Systems zeigte beeindruckende Ergebnisse. In den Abteilungen, in denen das Programm eingesetzt wurde, gab es seit 2021 keinen einzigen Unfall mehr. Darüber hinaus verringerte sich die durchschnittliche Zeit für die Erledigung von Produktionsaufgaben um 12 %, und die Zufriedenheit mit den zwischenmenschlichen Beziehungen im Team stieg um 15 %.
Die Referentin betont, dass dieses Instrument nicht nur in der Öl- und Gasindustrie anwendbar ist, sondern auch im Bauwesen, im Bergbau, in der Metallurgie sowie im Gesundheitswesen (zur Bildung von OP-Teams) und im Bildungswesen. Die Implementierung erfordert keine erheblichen finanziellen Aufwendungen und stützt sich auf die vorhandenen Personal- und Hardwareressourcen des Unternehmens.
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