Die Entwicklung der Sicherheitskultur in einem modernen Unternehmen kann nicht losgelöst von der Digitalisierung betrachtet werden. Die Einführung von IT-Tools wirkt sich direkt auf organisatorische, technische und menschliche Faktoren aus. Olga Volkova analysiert am Beispiel der Erfahrungen von „Kemerovo Azot“, wie digitale Lösungen die Prozesse im Bereich HSE transformieren und sie transparenter und effizienter machen.
Die Einführung jedes Mitarbeiters oder Auftragnehmers in das Unternehmen beginnt mit einer Sicherheitsunterweisung. Die Umstellung dieses Prozesses auf ein digitales Format mit obligatorischer Wissensprüfung gibt sofort den Ton an: Einfach nur absitzen funktioniert nicht. Nur das erfolgreiche Bestehen des Abschlusstests berechtigt zum Erhalt eines Ausweises und zum Zutritt zum Gelände.
Die Referentin weist darauf hin, dass das System einer ständigen Anpassung bedarf. Im ersten Betriebsjahr wurde das Programm fünfmal überarbeitet, unter anderem auf der Grundlage von Feedback der Auftragnehmer, um das Tool nicht nur streng, sondern auch benutzerfreundlich zu gestalten.
Eine jährliche Wissensprüfung reicht nicht aus, um ein hohes Kompetenzniveau aufrechtzuerhalten. Das Testen vor Schichtbeginn dient als Instrument zur regelmäßigen Überwachung. Es umfasst sowohl Fragen zur Sicherheit als auch zur Durchführung des technologischen Prozesses.
Dieser Ansatz ermöglicht es, Wissenslücken in der Zeit zwischen den Unterweisungen aufzuspüren und die Schulung der Mitarbeiter gezielt anzupassen. Die Referentin warnt jedoch: Die Aktualisierung der Fragendatenbank bei Änderungen der Gesetzgebung oder interner Anforderungen erfordert erhebliche Ressourcen.
Damit die Mitarbeiter die obligatorischen Anforderungen einhalten, muss der Prozess so zugänglich wie möglich sein. Das implementierte System ermöglicht es, sich über das private Smartphone von überall aus minutengenau für eine Wissensprüfung anzumelden.
Die Beseitigung bürokratischer Hürden und komplexer Verfahren („sieben Kreise der Hölle“) verringert den Widerstand des Personals und macht die Erfüllung der HSE-Pflichten natürlicher und einfacher.
Der Übergang von papierbasierten Arbeitsfreigaben zu elektronischen ist ein Schritt zur Vereinfachung der Prozesse. Das Hauptprinzip einer erfolgreichen Einführung ist laut der Referentin die Anpassung der Software an die bestehenden Unternehmensprozesse und nicht umgekehrt. Dies macht das System für Instandhalter und andere Ausführende verständlich.
Ein elektronisches System mit klar definierten Verantwortlichkeiten nimmt den Mitarbeitern die Möglichkeit, die Nichterfüllung von Anforderungen mit der Komplexität von Genehmigungen zu rechtfertigen. Dabei ist es wichtig zu bedenken: Ein Knopfdruck im System ersetzt nicht die physische Überprüfung der Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen vor Ort.
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