Arbeitsschutz im 21. Jahrhundert: Herausforderungen und Lösungen

Fallstudie
17 Dezember 2025 🇷🇺 Originalsprache: русский

Arbeitsschutz in Zeiten der Turbulenz: Von Reaktivität zu Risikomanagement

Die moderne Welt erlebt die Ära der vierten industriellen Revolution, die durch Globalisierung, Digitalisierung und ein exponentielles Wachstum anthropogener Risiken gekennzeichnet ist. Unter diesen Bedingungen wird Risikomanagement zum Synonym für die Steuerung der Zukunft eines Unternehmens. Im Rahmen der Session „Von Herausforderungen zu HSE-Chancen in Zeiten der Turbulenz“ analysiert Serik Maschkenow, Kandidat der physikalisch-mathematischen Wissenschaften und leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Allrussischen Forschungsinstitut für Arbeit (VNII Truda), detailliert, warum traditionelle Ansätze im Arbeitsschutz nicht mehr funktionieren und wie das neue risikoorientierte Modell die Spielregeln verändert.

Transformation des staatlichen Arbeitsschutzmanagementsystems

Seit dem 1. März 2022 ist Russland zu einem neuen Modell des Arbeitsschutzmanagements übergegangen, das auf Proaktivität, risikoorientierten, prozessbasierten und menschenzentrierten Ansätzen basiert. Der Referent betont, dass die erhebliche Reduzierung von Rechtsvorschriften (um das 15-fache) keine Schwächung der Kontrolle darstellt, sondern ein bewusster Schritt des Staates ist. In Zeiten der Turbulenz ist es unmöglich, Prozesse effektiv von einem einzigen Zentrum aus zu steuern. Die Aufgabe des neuen Modells besteht darin, die Entscheidungszentren so nah wie möglich an die Gefahrenquellen heranzuführen und den Arbeitgebern die Freiheit zu geben, die Methoden zur Erreichung eines sicheren Ergebnisses unter Berücksichtigung der Spezifika ihrer Unternehmen selbst zu wählen.

Risikoorientierte und prozessbasierte Ansätze in der Praxis

Die neue Managementstruktur umfasst 27 Prozesse, die in fünf Gruppen unterteilt sind. Die wichtigste Erkenntnis des Vortrags: Die spezielle Bewertung der Arbeitsbedingungen (SOUT) und die Bewertung beruflicher Risiken (OPR) bestimmen nun Inhalt und Umfang aller anderen Prozesse. Keine Aktivität im Bereich des Arbeitsschutzes macht Sinn, wenn sie nicht direkt oder indirekt zur Reduzierung spezifischer Risiken beiträgt. Der prozessbasierte Ansatz erfordert die Durchführung jedes Schrittes – von der Gefahrenerkennung bis zur Umsetzung und Kontrolle von Schutzmaßnahmen. Die Dokumentation der Ergebnisse der Risikobewertung wird zur Grundlage für den Aufbau eines Unternehmensgedächtnisses und die Entwicklung von Maßnahmenplänen.

Zwei Vektoren der Sicherheit: Arbeitsbedingungen und Verhaltenskultur

Der Referent zeigt an einem Beispiel, dass die Verbesserung des Arbeitsschutzmanagements in zwei parallele Richtungen verlaufen muss. Die erste ist die Schaffung sicherer Bedingungen an den Arbeitsplätzen, wo Ausrüstung, Materialien und der Mensch als physisches Objekt die Managementobjekte sind. Die zweite Richtung ist das Niveau der sicheren Ausführung von Arbeitsaufgaben, bei dem der Mensch als Subjekt mit eigenem Willen, eigenen Zielen und Interessen betrachtet wird. Die Kombination hoher Ergebnisse in beiden Bereichen ermöglicht es, das Konzept „Arbeiten ohne Verletzungen und Unfälle“ zu erreichen.

Barrieren auf dem Weg zu Zero Harm

Der Vortrag geht detailliert auf die wichtigsten Barrieren ein, die ein effektives Sicherheitsmanagement behindern:

  • Formalisierung der Risikobewertung: Im Gegensatz zur SOUT, bei der es klare Messalgorithmen gibt, leidet die Bewertung beruflicher Risiken oft unter dem Fehlen formalisierter Verfahren, was ihre Digitalisierung und Automatisierung erschwert.
  • Management by Objectives: Traditionelle reaktive Indikatoren (z. B. die Anzahl der Verletzungen pro Jahr) zeigen nicht, wie genau das Unternehmen zu diesem Ergebnis gekommen ist – durch systematische Arbeit oder durch glücklichen Zufall. Für das tägliche Monitoring sind proaktive Indikatoren erforderlich.
  • Effektive Kommunikation: Die tieferliegende Ursache der meisten Unfälle ist schlechte Kommunikation. Den Arbeitnehmern wird oft gesagt, was sie tun sollen, aber nicht erklärt, warum es wichtig ist, was zu einem mangelnden Verständnis des Sinns und folglich zu Verletzungen führt.
  • Qualitative Auswahl und Einarbeitung: Bei der Einstellung muss die Neigung des Kandidaten zu riskantem Verhalten berücksichtigt werden. Eine kompetente Einarbeitung und Mentoring sind entscheidend für die sichere Einführung eines Mitarbeiters in das Produktionsumfeld.

Sicherheit als Treiber der Geschäftseffizienz

Arbeitsschutz im 21. Jahrhundert ist nicht nur eine unterstützende Funktion, sondern ein zentrales Element eines erfolgreichen Unternehmens. Der Referent verwendet die Metapher der „russischen Troika“, bei der Produktivität und Effizienz die Nebenpferde sind und die Sicherheit das Hauptpferd. Ein ausschließlicher Fokus auf Produktivität führt zu „funktionaler Blindheit“ und dem Verlust der langfristigen Perspektive. Arbeitssicherheit, die auf strenger Disziplin basiert, ist ein universeller Indikator für die Steuerbarkeit des Unternehmens als Ganzes. Investitionen in die Sicherheit schaffen eine nachhaltige Organisation, die in der Lage ist, über einen langen Zeitraum hinweg hohe Ergebnisse zu erzielen.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie das neue risikoorientierte Gesetzgebungsmodell die Verantwortung und die Möglichkeiten des Arbeitgebers verändert.
  • Warum die Bewertung beruflicher Risiken zur Grundlage für alle HSE-Prozesse im Unternehmen werden muss.
  • Welche Barrieren die Einführung einer Sicherheitskultur behindern und wie man sie in der Praxis überwindet.
  • Wie man ein Kommunikationssystem richtig aufbaut, damit die Mitarbeiter den Sinn der Sicherheitsanforderungen verstehen.
  • Warum die Unterstellung der HSE-Abteilung unter den obersten Leiter für die Geschäftseffizienz von entscheidender Bedeutung ist.
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