Das Vorhandensein strenger Regeln und Vorschriften garantiert keine Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Hauptursache für Vorfälle bleibt das menschliche Verhalten — gefährliche Handlungen oder Unterlassungen. In der Fachwelt ist längst anerkannt, dass Mitarbeiter Anforderungen oft nicht aus böser Absicht verletzen, sondern aus mangelndem Verständnis für die tatsächlichen Folgen und einer verringerten Gefahrenwahrnehmungsschwelle. In seinem Vortrag analysiert Stanislav Seleznev detailliert, wie der Übergang von formalen Unterweisungen zu praktischen Achtsamkeitsübungen hilft, die Einstellung der Menschen zu ihrer eigenen Sicherheit zu verändern.
Der Referent macht auf das Problem der „Unvermeidlichkeit der Strafe“ aufmerksam, das im Arbeitsschutz in physische und rechtliche Aspekte unterteilt wird. Während eine physische Bedrohung (z. B. ein Sturz aus großer Höhe) offensichtlich ist und den Mitarbeiter aufhält, funktioniert die rechtliche (Entlassung wegen Verletzung grundlegender Regeln) oft nicht, da die Wahrscheinlichkeit, erwischt und bestraft zu werden, gering ist. Darüber hinaus stumpft bei modernen Arbeitnehmern die grundlegende Fähigkeit zur Risikoerkennung ab. Um die Situation zu korrigieren, muss im Bewusstsein des Menschen eine klare Kette aufgebaut werden: Erkennung einer gefährlichen Bedingung → Verständnis des möglichen Ereignisses → Bewusstsein für die persönlichen Konsequenzen.
Viele Unternehmen versuchen, interne Trainer zu entwickeln, indem sie diese Rolle als Nebentätigkeit zuweisen. Die Praxis zeigt jedoch, dass ein guter Fachmann in der Produktion nicht effektiv zwischen seinen Hauptaufgaben und der Schulung von Kollegen hin- und hergerissen werden kann. Für eine systematische Veränderung der Sicherheitskultur ist eine dedizierte Funktion erforderlich.
Im Rahmen eines Großprojekts hat das Unternehmen einen Stab von Dutzenden freigestellten Trainern gebildet, die direkt den HSE-Abteilungen unterstellt sind. Ihre Arbeit basiert auf dem Prinzip: 70 % der Zeit — Durchführung von Schulungen in Unterrichtsräumen, 30 % — methodische Arbeit und Bewertung der Schulungseffektivität direkt an den Produktionsstätten.
Die Auswahl der Kandidaten für die Rolle der internen Trainer erfolgte auf Wettbewerbsbasis. Aus fast zweihundert Bewerbern wurden diejenigen ausgewählt, die über ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz, starke Kommunikationsfähigkeiten und die innere Motivation verfügen, Menschen zu beeinflussen. Dabei war das Fehlen tiefgehender technischer Kenntnisse im Bereich HSE zu Beginn kein Hindernis — die Grundprinzipien des sicheren Verhaltens wurden den Kandidaten während des Vorbereitungsprozesses vermittelt.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor des Projekts war die richtige Motivation der Linienmanager. Der Referent zeigt an einem Beispiel, dass die qualitativ hochwertige Arbeit interner Trainer direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität der Abteilungsleiter hat: Ein Rückgang der Vorfälle bedeutet keine nächtlichen Anrufe, keine unterbrochenen Urlaube und keine endlosen Untersuchungen.
In der ersten Phase der Einführung des Trainer-Instituts liegt der Schwerpunkt auf zwei grundlegenden Programmen, die an die Besonderheiten der Unternehmen angepasst sind:
Die Abkehr von formalen Indikatoren betraf auch das Bewertungssystem als Ganzes. Das Unternehmen hat die Verwendung der Unfallhäufigkeitsrate (LTIFR) als Hauptmaßstab für den Erfolg aufgegeben, da dies die Verheimlichung von Mikroverletzungen provozierte, und konzentriert sich nun auf die Vermeidung von Todesfällen und die Umsetzung qualitativer Maßnahmenpläne.
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