Aufbau und Entwicklung eines Instituts für interne Trainer für Sicherheitskultur

Fallstudie
7 November 2022 🇷🇺 Originalsprache: русский

Das Vorhandensein strenger Regeln und Vorschriften garantiert keine Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Hauptursache für Vorfälle bleibt das menschliche Verhalten — gefährliche Handlungen oder Unterlassungen. In der Fachwelt ist längst anerkannt, dass Mitarbeiter Anforderungen oft nicht aus böser Absicht verletzen, sondern aus mangelndem Verständnis für die tatsächlichen Folgen und einer verringerten Gefahrenwahrnehmungsschwelle. In seinem Vortrag analysiert Stanislav Seleznev detailliert, wie der Übergang von formalen Unterweisungen zu praktischen Achtsamkeitsübungen hilft, die Einstellung der Menschen zu ihrer eigenen Sicherheit zu verändern.

Warum Regeln allein nicht ausreichen

Der Referent macht auf das Problem der „Unvermeidlichkeit der Strafe“ aufmerksam, das im Arbeitsschutz in physische und rechtliche Aspekte unterteilt wird. Während eine physische Bedrohung (z. B. ein Sturz aus großer Höhe) offensichtlich ist und den Mitarbeiter aufhält, funktioniert die rechtliche (Entlassung wegen Verletzung grundlegender Regeln) oft nicht, da die Wahrscheinlichkeit, erwischt und bestraft zu werden, gering ist. Darüber hinaus stumpft bei modernen Arbeitnehmern die grundlegende Fähigkeit zur Risikoerkennung ab. Um die Situation zu korrigieren, muss im Bewusstsein des Menschen eine klare Kette aufgebaut werden: Erkennung einer gefährlichen Bedingung → Verständnis des möglichen Ereignisses → Bewusstsein für die persönlichen Konsequenzen.

Verzicht auf Nebentätigkeiten: Der Trainer als dedizierte Funktion

Viele Unternehmen versuchen, interne Trainer zu entwickeln, indem sie diese Rolle als Nebentätigkeit zuweisen. Die Praxis zeigt jedoch, dass ein guter Fachmann in der Produktion nicht effektiv zwischen seinen Hauptaufgaben und der Schulung von Kollegen hin- und hergerissen werden kann. Für eine systematische Veränderung der Sicherheitskultur ist eine dedizierte Funktion erforderlich.

Im Rahmen eines Großprojekts hat das Unternehmen einen Stab von Dutzenden freigestellten Trainern gebildet, die direkt den HSE-Abteilungen unterstellt sind. Ihre Arbeit basiert auf dem Prinzip: 70 % der Zeit — Durchführung von Schulungen in Unterrichtsräumen, 30 % — methodische Arbeit und Bewertung der Schulungseffektivität direkt an den Produktionsstätten.

Die Auswahl der Kandidaten für die Rolle der internen Trainer erfolgte auf Wettbewerbsbasis. Aus fast zweihundert Bewerbern wurden diejenigen ausgewählt, die über ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz, starke Kommunikationsfähigkeiten und die innere Motivation verfügen, Menschen zu beeinflussen. Dabei war das Fehlen tiefgehender technischer Kenntnisse im Bereich HSE zu Beginn kein Hindernis — die Grundprinzipien des sicheren Verhaltens wurden den Kandidaten während des Vorbereitungsprozesses vermittelt.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor des Projekts war die richtige Motivation der Linienmanager. Der Referent zeigt an einem Beispiel, dass die qualitativ hochwertige Arbeit interner Trainer direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität der Abteilungsleiter hat: Ein Rückgang der Vorfälle bedeutet keine nächtlichen Anrufe, keine unterbrochenen Urlaube und keine endlosen Untersuchungen.

Was Trainer lehren: Von der Risikobewertung bis zu verhaltensbasierten Audits

In der ersten Phase der Einführung des Trainer-Instituts liegt der Schwerpunkt auf zwei grundlegenden Programmen, die an die Besonderheiten der Unternehmen angepasst sind:

  • Dynamische Risikobewertung für Arbeiter. Eine praktische Fähigkeit, die es dem Mitarbeiter ermöglicht, innezuhalten, sich umzusehen und die Situation zu analysieren, bevor er mit einer Handlung beginnt. Das Ziel ist es, zu lehren, unsichtbare Bedrohungen in Routineabläufen zu erkennen.
  • Verhaltensbasierte Sicherheitsaudits (VSA) für Linienmanager. Ein Instrument zum Aufbau eines Dialogs mit Untergebenen. Der Referent betont, dass das Hauptproblem von VSA in der Branche der Formalismus ist. Daher hat das Unternehmen auf starre Zeitpläne und papierbasierte Berichterstattung für Audits verzichtet und positioniert sie als natürliche Kommunikationsfähigkeit und nicht als bürokratische Pflicht.

Die Abkehr von formalen Indikatoren betraf auch das Bewertungssystem als Ganzes. Das Unternehmen hat die Verwendung der Unfallhäufigkeitsrate (LTIFR) als Hauptmaßstab für den Erfolg aufgegeben, da dies die Verheimlichung von Mikroverletzungen provozierte, und konzentriert sich nun auf die Vermeidung von Todesfällen und die Umsetzung qualitativer Maßnahmenpläne.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Warum grundlegende Sicherheitsregeln in der Praxis oft nicht funktionieren und wie man das beheben kann?
  • Wie wählt man Kandidaten für interne Trainer richtig aus und welche Fähigkeiten benötigen sie in erster Linie?
  • Warum sollte ein interner HSE-Trainer keine Nebentätigkeit ausüben?
  • Wie führt man verhaltensbasierte Sicherheitsaudits ohne Zeitpläne, Pläne und Ablehnung durch Linienmanager ein?
  • Wie strukturiert man das KPI-System im HSE-Bereich um, um Führungskräfte zu echten Veränderungen zu motivieren, anstatt zu einer „schönen“ Statistik?
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