Die technologische Entwicklung und die Automatisierung von Produktionsprozessen erhöhen paradoxerweise die Bedeutung des menschlichen Faktors. In komplexen Mensch-Maschine-Systemen, sei es in der chemischen Produktion oder bei Tests von Luft- und Raumfahrttriebwerken, ist es unmöglich, die Wahrscheinlichkeit von Fehlern vollständig auszuschließen. Traditionelle HSE-Methoden, die sich auf die Risikobewertung am Arbeitsplatz und die Ausgabe von PSA konzentrieren, sind oft machtlos gegenüber den individuellen psychophysiologischen Eigenschaften der Mitarbeiter. In seinem Vortrag analysiert Vitaly Dmitruk, gestützt auf seine langjährige Erfahrung in der Stickstoffindustrie und seine aktuelle Praxis am Zentralinstitut für Flugmotoren (CIAM), Ansätze zur Erhöhung der beruflichen Zuverlässigkeit von Bedienern. Die Hauptaufgabe besteht darin, ein System aufzubauen, in dem ein einzelner menschlicher Fehler nicht zu fatalen Folgen für das Personal und die einzigartige Ausrüstung führt.
Als eine der wichtigsten Reserven zur Senkung der Unfallrate nennt der Referent die enge Zusammenarbeit der HSE-Abteilung mit einem Unternehmenspsychologen. Standardverfahren zur Qualifikationsprüfung vermitteln kein Bild davon, wie sich eine Person in einer Notsituation verhalten wird. Die Einführung einer psychologischen Betreuung ermöglicht es, an den Ursachen für gefährliches Verhalten zu arbeiten.
Traditionelle Unterweisungen haben eine geringe Wirksamkeit – nur ein kleiner Teil der Informationen bleibt im Gedächtnis der Mitarbeiter. Um Wissen in dauerhafte Fähigkeiten umzuwandeln, zeigt der Referent am Beispiel seines Unternehmens den Einsatz von Virtual-Reality-Technologien (VR). Das VR-Training löst gleich mehrere praktische Aufgaben.
Erstens ermöglicht das System die sichere Simulation von Notsituationen (Feuer, Stromschlag, Rettung aus der Höhe). Zweitens werden Stress- und Zeitdruckfaktoren in das Szenario integriert: Zeitlimits und ablenkende kognitive Aufgaben. Die Praxis zeigt, dass unter solchen Bedingungen selbst erfahrene Spezialisten kritische Fehler machen (z. B. die Schrittspannung vergessen). Regelmäßiges VR-Training baut übermäßiges Selbstvertrauen ab und bildet reflexive Fähigkeiten für sicheres Verhalten, die automatisiert werden.
Bei der Analyse der Ansätze in der Luftfahrtindustrie, wo der Anteil des menschlichen Faktors an Vorfällen bis zu 90 % beträgt, schlägt der Referent vor, das Vision Zero-Konzept anzupassen. Der Kern besteht darin, eine ausfallsichere Umgebung zu schaffen. Das Managementsystem muss so aufgebaut sein, dass ein vorsätzlicher Regelverstoß technisch unmöglich oder wirtschaftlich unrentabel ist und ein unbeabsichtigter Fehler durch Redundanz und doppelte Kontrolle innerhalb der Schicht ausgeglichen wird.
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