Die Schulung von Produktionspersonal ist eine der komplexesten Aufgaben im Bereich HSE. Lange Zeit war das System auf die Überprüfung von Wissen ausgerichtet und nicht auf den Lernprozess selbst, was unweigerlich zu Formalismus führte. Die Mitarbeiter lernten die richtigen Antworten für Tests auswendig und unterschrieben in Registern, führten aber in der Praxis weiterhin gefährliche Handlungen aus. Gerade Inkompetenz und das Fehlen echter Fähigkeiten bleiben die Hauptursachen für Arbeitsunfälle.
In ihrem Vortrag teilt Svetlana Vladimirova, Leiterin der HSE-Schulung an der Unternehmensuniversität von „Krastsvetmet“, praktische Erfahrungen bei der Transformation des Schulungssystems für Arbeiter. Die Referentin zeigt, wie das Unternehmen den Weg von Standardunterweisungen zur Schaffung eines vollwertigen Zentrums für die Entwicklung praktischer Fähigkeiten gegangen ist und damit den Anforderungen neuer Vorschriften voraus war.
Der erste Schritt zur Veränderung war die Abkehr von isolierten Ansätzen bei der Durchführung von Unterweisungen. Das Unternehmen stellte fest, dass der Prozess in verschiedenen Abteilungen unterschiedlich ablief: In einigen Bereichen bezogen die Führungskräfte die Mitarbeiter wirklich ein, während sie sich in anderen auf das formale Lesen der Anweisungen beschränkten. Um dieses Problem zu lösen, wurde ein einheitliches interaktives Format entwickelt.
Die Spezialisten erstellten etwa 50 Video-Unterweisungen zu den wichtigsten und kombinierten Berufen, Arbeitsarten und der Verwendung von PSA. Jetzt liest die Führungskraft nicht einfach einen Text vor, sondern zeigt Videomaterial und führt ein engagiertes Gespräch mit offenen Fragen. Dies ermöglichte es, die Qualität der Informationsvermittlung in allen Bereichen zu standardisieren.
Der nächste Schritt war die Schaffung des 16-Modul-Programms „Sicherheitsschule für Arbeiter“. Im Gegensatz zu Kursen für Führungskräfte und Spezialisten lag der Schwerpunkt hier auf sicheren Arbeitsmethoden, Erster Hilfe und dem Verhalten bei Unfällen. Schon damals begann das Unternehmen, die Einübung praktischer Fähigkeiten einzuführen, was zu einem soliden Fundament für die weitere Entwicklung wurde.
Mit dem Inkrafttreten der Verordnung Nr. 2464, die den Schwerpunkt von der Wissensüberprüfung auf die praktische Ausbildung verlagerte, standen viele Unternehmen vor der Wahl: Mitarbeiter in externe Schulungszentren zu schicken oder den Prozess selbst zu organisieren. Die Referentin analysiert detailliert die wirtschaftlichen und qualitativen Aspekte dieser Entscheidung.
Berechnungen zeigen, dass die Schulung von mehr als tausend Mitarbeitern in vier Hauptprogrammen (einschließlich Brandschutz) in einem externen Zentrum mehrere Millionen Rubel kosten würde. Gleichzeitig bleibt die Qualität der Ausbildung oft fraglich: Die Programme berücksichtigen nicht die Besonderheiten der jeweiligen Produktion, und die praktische Übung wird durch formale Tests ersetzt.
Die Schaffung eines eigenen Zentrums für die Entwicklung praktischer Fähigkeiten erfordert Anfangsinvestitionen in Ausrüstung (Erste-Hilfe-Puppen, Feuerlöschstationen, PSA-Bestand), erweist sich aber langfristig als deutlich effizienter. Interne Schulungen ermöglichen es, die Qualität vollständig zu kontrollieren, Programme an reale Produktionsrisiken anzupassen und Änderungen auf der Grundlage von Feedback schnell umzusetzen.
Die Organisation praktischer Schulungen erfordert nicht immer riesige Budgets. Der Vortrag zeigt, wie man bereits vorhandene Ressourcen und Partnerschaften nutzen kann. Beispielsweise kann der theoretische Teil mithilfe eines Unternehmensportals und von Videoinhalten in ein Online-Format überführt werden.
Ein interessanter Lifehack, den die Referentin teilt, ist die Einbeziehung von Auftragnehmern. So kann ein Lieferant von Arbeitskleidung im Rahmen eines Outsourcing-Vertrags kostenlose Schulungen zur richtigen Verwendung von PSA durchführen. Für die Durchführung praktischer Übungen werden interne Experten herangezogen: HSE-Spezialisten und Mitarbeiter des Gasrettungsdienstes.
Der wichtigste soziale Effekt der Schaffung des Zentrums ist die Veränderung der Einstellung der Arbeiter zu ihrer eigenen Sicherheit. Schulungen im Trainingsformat mit emotionaler Einbindung helfen, stabile neuronale Verbindungen aufzubauen: vom Bewusstsein für die Gefahr zum Verständnis der Folgen und der Möglichkeiten, diese zu vermeiden.
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