Die traditionelle Wahrnehmung eines HSE-Spezialisten in der Produktion beschränkt sich oft auf die Rolle eines Kontrolleurs und Aufsehers. Dies schafft eine Barriere des Misstrauens: Mitarbeiter verbergen Probleme, und Sicherheitsinitiativen werden als von oben aufgezwungen empfunden. Dmitri Mokryschew, Hauptspezialist der Abteilung für die Koordination von Fragen der Arbeitssicherheit bei der Kola MMC (Unternehmensgruppe Nornickel), analysiert ein praktisches Fallbeispiel zur Überwindung dieser Barriere durch die Schaffung einer Institution von Sicherheitsbotschaftern.
Im Jahr 2024 zeigte eine Analyse alarmierende Statistiken: Während Hunderte von Verstößen aufgedeckt wurden, lag die Zahl der freiwilligen Meldungen von Mitarbeitern an die HSE-Spezialisten bei null. Der Grund dafür waren negative Überzeugungen und die Angst vor Bestrafung. Um die Situation zu ändern, wurde das Projekt „Sicherheitsbotschafter“ ins Leben gerufen – eine Initiative zur Einbindung engagierter Mitarbeiter in den Risikomanagementprozess.
Ein Botschafter ist ein freiwilliger Helfer, ein „HSE-Freiwilliger“, der daran interessiert ist, ein sicheres Umfeld für sich und seine Kollegen zu schaffen. In der Präsentation wird der Auswahl- und Motivationsprozess solcher Mitarbeiter detailliert betrachtet. Aus 63 eingereichten Bewerbungen wurde ein Kernteam von 14 Personen gebildet.
Um Teilnehmer zu gewinnen, wurden spezifische Motivationsinstrumente eingesetzt:
Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie die Arbeit der Botschafter in fünf Hauptbereiche (Tracks) strukturiert wurde, von denen jeder eine spezifische Aufgabe löst:
Das Ziel ist die Förderung der Sicherheitskultur durch Medienformate. Die Botschafter drehen und schneiden selbstständig Videos (z. B. über Verhaltensaudits oder die Isolierung von Energiequellen), die in den Unternehmenskanälen veröffentlicht werden. Dies macht Sicherheitsinformationen für die Arbeiter lebendig und verständlich.
Zielt auf die Entwicklung von Präsentationsfähigkeiten und die Überwindung von Kommunikationsbarrieren ab. Die Botschafter lernen, Informationen kompetent zu vermitteln, indem sie als interne Trainer und Bindeglied zwischen der Produktion und der Fachabteilung fungieren.
Die Teilnehmer dieses Bereichs helfen Kollegen, sich in der Dokumentation zurechtzufinden, und beteiligen sich an der Visualisierung von HSE-Anweisungen und Risikoregistern. Ein praktisches Ergebnis ist die Teilnahme an Tests von Exoskeletten, was zur Optimierung der Unternehmenskosten führte.
Die Botschafter führen eigenständige und gemeinsame (mit Führungskräften) Rundgänge durch die Abteilungen durch. Innerhalb eines Jahres wurden mehr als 30 Rundgänge absolviert und etwa 200 Verstöße festgestellt, einschließlich Risiken bei der Arbeit von Vertragsunternehmen.
Tiefes Eintauchen in die Produktionsprozesse. Anstelle formaler Vorschriften wird eine Sicherheitsanalyse der Durchführung spezifischer Arbeitsvorgänge an den Arbeitsplätzen durchgeführt. Identifizierte kritische Risiken werden gemeinsam mit den mechanischen Diensten bearbeitet, um zuverlässige Barrieren zu installieren.
Das Projekt zeigte eine messbare Wirksamkeit: Von 62 geplanten Maßnahmen wurde die Hälfte umgesetzt. Zu den herausragenden Erfolgen gehören die Entwicklung eines Navigationssystems mit QR-Codes zur schnellen Suche nach Notduschen und Fluchtwegen sowie die Modernisierung des Absaugsystems in einer der Werkstätten.
Das wichtigste Ergebnis ist der Einstellungswandel. Die Zahl der Anfragen an HSE-Spezialisten stieg von null auf 43 erfasste und gelöste Anliegen. Die Mitarbeiter begannen, Risiken selbstständig zu erkennen und um Hilfe bei deren Beseitigung zu bitten, da sie die HSE-Spezialisten nun als Partner und nicht als Kontrolleure sehen.
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