In der Atomindustrie, wo der Preis für Fehler nicht nur in finanziellen Verlusten, sondern in globalen ökologischen Folgen gemessen wird, wird die Sicherheitskultur zum Fundament aller Prozesse. Evgeny Parygin, Berater für Sicherheitskultur bei JSC SNIIP, zeigt am Beispiel internationaler Projekte, dass Sicherheit nicht nur eine Reihe von Anweisungen ist, sondern ein bewusster Wert, der von oben nach unten vermittelt wird. Der Vortrag beleuchtet im Detail, wie Führung in das Managementsystem integriert wird und warum ohne das persönliche Vorbild der Führungskräfte alle Vorschriften nur auf dem Papier existieren.
Der Referent analysiert, wie die Anforderungen der Sicherheitskultur in jedes dokumentierte Verfahren der Organisation integriert werden. Am Beispiel des Baus des Kernkraftwerks Hanhikivi-1 wird gezeigt, dass das Fehlen von Sicherheitserwähnungen in den Dokumenten des Managementsystems zu kritischen Abweichungen und zum Stopp eines Milliardenprojekts führen kann. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der Integration von Sicherheitsprinzipien in alle Geschäftsprozesse, vom Risikomanagement bis zur Informationssicherheit.
In der Atomindustrie kann jeder Mitarbeiter Führungsqualitäten zeigen. Der Referent unterscheidet drei Hierarchieebenen und beschreibt konkrete Maßnahmen für jede:
Besondere Aufmerksamkeit wird der Kompetenz „Managementmut“ gewidmet. Dies ist die Bereitschaft einer Führungskraft, dem Management zu widersprechen, wenn Sicherheitsanforderungen verletzt werden, und die Fähigkeit, Mitarbeiter ehrlich über Probleme zu informieren. Der Referent zeigt an einem Beispiel, dass die Ergebnisorientierung nicht auf Kosten der Sicherheit gehen darf und die Führungskraft verpflichtet ist, Versuche, Regeln aus Geschwindigkeitsgründen zu umgehen, strikt zu unterbinden.
Der Vortrag befasst sich ausführlich mit den Prinzipien der Sicherheitskultur, die von der IAEO und der World Association of Nuclear Operators (WANO) festgelegt wurden. Zu den wichtigsten gehören:
Der Referent analysiert praktische Instrumente zur Entwicklung der Sicherheitskultur, einschließlich der Prinzipien der Fehlerminimierung, Prävention und Offenheit. Zur Bewertung des Entwicklungsstands werden Selbstbewertung, unabhängige Audits und Monitoring eingesetzt. Es werden 7 Gruppen von Bewertungskriterien betrachtet, vom Vorhandensein von Regulierungsdokumenten bis hin zu statistischen Indikatoren für Verletzungen und Geräteausfälle.
Ein wichtiger Aspekt ist die Ausweitung der Anforderungen der Sicherheitskultur auf die gesamte Lieferkette. Der Referent erklärt, warum Subunternehmer verpflichtet sind, dieselben Standards wie der Auftraggeber einzuhalten, und wie Audits durchgeführt werden, um das Wissen der einfachen Arbeiter vor Ort zu überprüfen.
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