Instrument zur Steigerung der Sicherheitskultur – „Risikojagd“

29 Oktober 2024 🇷🇺 Original: русский 1 Min. Lesezeit

Der Linienrundgang – ein Instrument zur Suche nach Problemlösungen statt nach Regelverstößen

Jeder HSE-Experte weiß, dass zur Vermeidung von Unfällen regelmäßige Präventionsmaßnahmen erforderlich sind, um Abweichungen zu identifizieren, die zu negativen Folgen führen können. Diese Abweichungen können sowohl unsichere Handlungen und Bedingungen als auch die Grundursachen für Unfälle sein. Eines der universellen Instrumente, das in vielen Unternehmen weit verbreitet ist, ist der sogenannte „Linienrundgang“ (LR). Die Hauptaufgaben dieses Instruments sind die Unfallverhütung, die Prävention von Arbeitsunfällen sowie die Identifizierung von Unstimmigkeiten und Normabweichungen. Der Kern der Methode besteht in der sorgfältigen Überprüfung von Arbeitsplätzen, Werkstattbereichen und angrenzenden Zonen sowie in der Bewertung des Anlagenbetriebs und der Arbeitsweise des Personals. Im Fokus stehen sowohl externe Bedingungen als auch das Verhalten der Mitarbeiter, was die Identifizierung und Beseitigung potenzieller Gefahren ermöglicht.

Damit der LR nicht zu einem Instrument der Schuldzuweisung und zu einem Bestrafungselement in der Sicherheitsstruktur wird, können proaktive Instrumente integriert werden, die den LR „aufwerten“. So wird er zu einem Werkzeug für Problemlösungen und zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Arbeitern und Führungskräften. Zudem hilft es, die Mitarbeiter in Sicherheitsfragen einzubeziehen und ihnen beizubringen, Risiken zu erkennen. Eines dieser Instrumente kann die „Risikojagd“ sein. Durch die Integration dieser beiden Instrumente können wir den Fokus von der Feststellung von Verstößen auf die Suche nach Lösungen für deren Entstehung verlagern. Dies wird möglich, weil die „Risikojagd“, im Gegensatz zum LR, ein Prozess der Identifizierung von Risiken auf dem Werksgelände durch Arbeitsgruppen ist, mit dem Ziel, Maßnahmen zu entwickeln, die festgestellte Abweichungen beseitigen und deren Wiederholung verhindern. Bei der Risikoidentifizierung überlegen wir, wie eine Person zu Schaden kommen könnte und wie dies vermieden werden kann. Wenn wir hingegen von einem Verstoß sprechen, stellen wir oft nur die Frage: „Wer hat das getan?“. Den Schuldigen zu finden ist einfach, aber es bietet uns keine Lösung für das Problem.

Kampf gegen die Betriebsblindheit

Die „Risikojagd“ löst eine weitere wichtige Aufgabe. Wir können nicht nur Probleme identifizieren, die „an der Oberfläche“ liegen, sondern auch auf den ersten Blick verborgene Risiken finden und dokumentieren. Doch wie entstehen diese verborgenen Risiken und wie findet man sie?

Ein Risiko wird erst dann unsichtbar, wenn wir uns längere Zeit in seiner Nähe befinden und der Effekt der „Betriebsblindheit“ eintritt. Einfach ausgedrückt: Wenn eine Person lange Zeit mit einer bestimmten Gefahr arbeitet und nichts passiert ist, wird dies zur Norm. Der Mitarbeiter nimmt den Gefahrenfaktor nicht mehr explizit wahr, selbst wenn er weiß, dass er existiert. „Gegenübersitzende Jagden“ (Cross-Audits) helfen uns, verborgene Risiken zu bekämpfen. Dabei besuchen Mitarbeiter einer Abteilung nach einem bestimmten Zeitplan eine andere Abteilung, um dort eine „Risikojagd“ durchzuführen. Dies ermöglicht es uns nicht nur, die Betriebsblindheit zu überwinden, sondern auch das Team maximal in den Prozess der Risikosuche auf „fremdem Territorium“ einzubeziehen. Dadurch beseitigen wir die hartnäckige, falsche Überzeugung im Kopf des Personals: „Das ist nicht mein Bereich, darum kümmere ich mich nicht“, und transformieren sie in: „Jedes Risiko ist wichtig; ein Kollege könnte verletzt werden, wenn ich das Problem nicht aufzeige“.

Schulung und Einbindung der Mitarbeiter

Damit das Instrument „Risikojagd“ effektiv funktioniert, sind Schulungen und eine ständige Unterstützung des Personals durch Trainer und Spezialisten für das Management beruflicher Risiken erforderlich. Im Unternehmen „Metalloinvest“ werden solche Beratungen regelmäßig für alle Führungsebenen durchgeführt, und das Personal durchläuft einen Einführungskurs zum risikoorientierten Ansatz, was die Effizienz der Methode erheblich steigert. Wir binden die Mitarbeiter in den Sicherheitsprozess ein, indem wir ihnen einfache Überzeugungen vermitteln:

  • „Hier könnte entweder ich oder jemand anderes zu Schaden kommen“;
  • „Ich kann diesen Ort sicherer machen, indem ich einfach auf das Problem hinweise“;
  • „Wenn ich über ein Problem berichte, werde ich dafür belohnt“;
  • Und andere.

Für jeden Mitarbeiter sollten die Bewertung und Identifizierung von Risiken zu einem gewohnten und natürlichen Prozess werden, der in die tägliche Arbeit integriert ist. Auf diese Weise hilft die Methode der „Risikojagd“, das Leben nicht nur in der Produktion, sondern auch in den täglichen Aktivitäten der Mitarbeiter sicherer zu machen.

Arbeitsergebnisse und Prioritäten des Unternehmens

Der Einsatz eines Instruments wie der „Risikojagd“ hilft nicht nur dabei, offensichtliche und verborgene Risiken zu identifizieren und zu beseitigen, sondern auch nach den Grundursachen für deren Entstehung zu suchen, was die Wahrscheinlichkeit ihres erneuten Auftretens verringert. Im Zeitraum von 2022 bis Oktober 2024 wurden dank der „Risikojagd“ in den Betrieben von „Metalloinvest“ mehr als 32.000 Risiken erfasst, davon über 240 tödliche (von denen 190 minimiert oder beseitigt wurden; für die übrigen wurden Kompensationsmaßnahmen entwickelt und implementiert, die bis zu ihrer endgültigen Beseitigung unter Kontrolle stehen). Es wurden mehr als 95.000 Maßnahmen entwickelt, die gezielt auf die Beseitigung der Grundursachen dieser Risiken ausgerichtet waren, was sich positiv auf die Senkung der Unfallzahlen im Unternehmen auswirkte.

Der Schutz von Leben und Gesundheit der Mitarbeiter hat für „Metalloinvest“ Priorität. Hierfür werden alle verfügbaren organisatorischen, administrativen und technischen Ressourcen genutzt, um eine Kultur des sicheren Verhaltens am Arbeitsplatz und darüber hinaus zu formen.

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