Das Brachland

2 September 2025 🇷🇺 Original: русский 1 Min. Lesezeit

Das Jahr 1989 neigte sich dem Ende zu. Ich war 8 Jahre alt. Wie es in unserer Gegend oft vorkommt, war der Herbst bereits sehr verschneit und frostig – ein richtiger Winter. Ich ging damals zur Vormittagsschicht in die Schule, und nach dem Unterricht gehörten das Putzen der Wohnung und das Kochen des Abendessens zu meinen täglichen Pflichten, die ich bis zur Rückkehr meiner Eltern von der Arbeit erledigt haben musste. An jenem Tag war bereits alles getan, und ich war sogar schon draußen spielen gewesen. Deshalb schauten mein älterer Bruder und ich fern.

Draußen war es schon dunkel, als Papa nach Hause kam und direkt an der Tür sagte:

— Zieht euch an. Euer Onkel wurde bei der Arbeit eingequetscht. Er liegt jetzt im Krankenhaus, wir müssen uns verabschieden.

Wir zogen uns an und gingen nach draußen. Ein Auto hatten wir damals noch nicht, und Taxis gab es in der Siedlung erst etwa 20 Jahre später. Wir gingen zu Fuß. Zehn Minuten schnellen Gehens – und wir stiegen in den dritten Stock des Krankenhauses hinauf. Wir folgten Vater ins Krankenzimmer. Rechts, mit dem Kopf zum Eingang, lag mein Onkel auf einem Eisenbett, sodass er nicht sah, wie wir eintraten. Als er uns bemerkte, lächelte er und begann zu sprechen:

— Mit mir ist alles in Ordnung. Ich werde bestimmt bald wieder gesund …

Wir sprachen vielleicht fünf Minuten lang. Der Arzt, der ins Zimmer kam, bat uns hinauszugehen. Die Tür schloss sich hinter uns. Nach einiger Zeit öffnete sie sich wieder, und auf einer Segeltuchtrage wurde mein Onkel herausgetragen, bedeckt mit einem weißen Laken mit braunen Flecken. Ich erinnere mich, wie ich der Trage in den ersten Stock und dann nach draußen folgte. Dann – in der abendlichen Dunkelheit zum Leichenschauhaus: ein hölzerner, furchteinflößender Blockbau, der von außen (und wie sich herausstellte, auch von innen) wie eine russische Rauchsauna aussah. Ich blieb draußen und sah zu, wie die Trage auf einen Holztisch gelegt wurde, der einer Saunabank ähnelte und direkt an der Wand stand. Das Licht drinnen wurde ausgeschaltet, und alle kamen heraus.

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Viele Jahre vergingen. Ich wuchs auf und fing, da ich aus einer Eisenbahnerfamilie stamme, bei der Bahn an. Nach etwa sechs Jahren, in denen ich verschiedene Berufe und Organisationen durchlaufen hatte, wechselte ich in die Abteilung, in der mein Vater und mein verstorbener Onkel gearbeitet hatten. Und einige Jahre später wurde ich durch einen Zufall des Schicksals zum HSE-Spezialisten ernannt. Um ehrlich zu sein, wusste ich nichts über diesen Beruf – es war ein reines Abenteuer.

Am ersten Tag, sobald ich allein im Büro war, öffnete ich den Safe in der Ecke. Ich war sehr neugierig, was darin war. Ich stöberte bis zum Mittagessen darin herum – und mir fiel ein Buch mit dem unscheinbaren Titel in die Hände: „Register für Arbeitsunfälle“. Beim Durchblättern sah ich auf einer der Seiten einen vertrauten Nachnamen. Ich las die kurze Schilderung des Unfallhergangs und legte das Buch zurück.

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Der Einstieg in den Beruf war langsam und mühsam. Es gab keinen Mentor, ich musste mir alles selbst erarbeiten. Ich las, lernte, tippte – langsam klärte sich mein Kopf. Eines Tages stieß ich im Archiv auf einen Ordner mit den Unterlagen zur Untersuchung des Unfalls meines Onkels.

Ich las, wie ein offener Güterwagen mit Stahlbetonmasten für die Oberleitung am Bahnhof ankam. Wie die Brigade den Auftrag für eine ruhige Entladung erhielt. Wie der Vorarbeiter alle antrieb, weil er die Arbeit nicht auf morgen verschieben wollte (obwohl niemand drängelte). Wie über den ganzen Tag im Frost der Akku des Funkgeräts der Anschläger leer wurde und es keine zusätzliche Beleuchtung gab – und die Dunkelheit schnell hereinbrach. Schließlich wurde mein Onkel beim nächsten Anheben eines Mastes im Inneren des Wagens von diesem eingequetscht. Das Becken, die Rippen und die inneren Organe wurden zertrümmert.

Dort stand auch, dass mein Vater der Abschnittsleiter war. Nach dem Vorfall reichte er seine Kündigung ein und wollte keine Führungspositionen mehr bekleiden.

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Ich weiß nicht warum, aber die kindliche Erinnerung schloss sich wie die Tür des Krankenzimmers. An die Beerdigung erinnere ich mich überhaupt nicht. In meiner Erinnerung blieb nur der schreckliche, geschwärzte Blockbau des Leichenschauhauses, in dem mein Onkel für immer verschwand. Viele Jahre lang blickte ich ängstlich darauf zurück, wenn ich vorbeiging. Bis das Gebäude abgerissen wurde – heute befindet sich an seiner Stelle ein mit Kletten bewachsenes Brachland.

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