Strategie zur Zusammenarbeit mit Auftragnehmern

Fallstudie
8 März 2025 🇷🇺 Originalsprache: русский

Entwicklung des Auftragnehmer-Managements in der Öl- und Gasindustrie

Die Zusammenarbeit mit Auftragnehmern an gefährlichen Produktionsstätten ist einer der Haupt-Risikobereiche für jedes Rohstoffunternehmen. Wenn sich Dutzende von Auftragnehmern und Hunderte ihrer Mitarbeiter gleichzeitig auf dem Feld befinden, funktionieren klassische Kontrollmethoden nicht mehr. Es bedarf eines systematischen Ansatzes, der Sicherheitsanforderungen in allen Phasen integriert: von Ausschreibungsverfahren bis hin zur täglichen Kontrolle vor Ort. In seinem Vortrag analysiert Alexey Mosyagin, Leiter der Abteilung für industrielle Sicherheit und Arbeitsschutz eines Ölförderunternehmens, detailliert die Architektur eines solchen Systems, das auf der Integration bester internationaler Praktiken und einer strengen Zugangskontrolle basiert.

Mehrstufiges Zugangssystem: von der Ausschreibung bis zur Baustelle

Der Referent zeigt am Beispiel seines Unternehmens, wie man bereits vor Beginn der Arbeiten Barrieren für unzuverlässige Auftragnehmer aufbaut. Der Prozess beginnt mit der Einstufung von Verträgen nach Risikoniveau (hoch, mittel, niedrig) und der Ernennung verantwortlicher Betreuer. Dies ermöglicht es, Anforderungen zu differenzieren und Ressourcen auf die gefährlichsten Bereiche zu konzentrieren.

Wichtige Phasen der Zulassung:

  • Präqualifikation in der Ausschreibungsphase: Der Auftragnehmer muss die Einhaltung der HSE-Kriterien bestätigen und mindestens 80 Punkte erreichen. Bei Verträgen mit hohem Risiko (z. B. Bau- und Montagearbeiten mit mehr als 50 Personen) wird ein technisches Audit der materiellen Basis durchgeführt. Dies filtert Unternehmen heraus, die nicht bereit sind, strenge Anforderungen zu erfüllen.
  • Standard-HSE-Vereinbarung: Ein obligatorischer Anhang zum Vertrag, der Anforderungen, kritische Verstöße und Strafen festlegt. Die Unterzeichnung dieses Dokuments wird oft zu einem Filter, nach dem einige Auftragnehmer von der Teilnahme an der Ausschreibung absehen, da sie die Unerfüllbarkeit der Anforderungen für ihr Niveau der Sicherheitskultur erkennen.
  • Zweistufige Zulassung zum Objekt: Die erste Stufe ist eine Dokumentenprüfung (Analyse des Gefahrenregisters, Lizenzen). Die zweite Stufe ist eine tatsächliche Überprüfung auf dem Feld anhand einer Checkliste mit 50 Positionen (Anordnungen, Anweisungen, Schulungen, PSA, Ausrüstung). Erst nach erfolgreichem Abschluss beider Stufen wird der Auftragnehmer zur Arbeit zugelassen.

Kontroll- und Motivationsinstrumente vor Ort

Nach der Zulassung des Auftragnehmers zum Objekt tritt ein System der kontinuierlichen Kontrolle und Einbindung in Kraft. Jedem Vertrag wird ein betreuender HSE-Spezialist zugewiesen, der den Auftragnehmer in allen Phasen begleitet.

Im Vortrag werden die angewandten Instrumente detailliert betrachtet:

  • Strafen und proaktive Maßnahmen: Bei Feststellung kritischer Verstöße werden die Arbeiten eingestellt. Strafen können durch proaktive Maßnahmen ersetzt werden, z. B. den Kauf hochwertigerer PSA, was den Auftragnehmer dazu anregt, in Sicherheit zu investieren, anstatt nur Strafen zu zahlen.
  • 5S-System und kontinuierliche Verbesserungen: Einführung von Prinzipien der Arbeitsplatzorganisation (5S) und eines Systems zur Einreichung von Ideen zur Verbesserung der Sicherheit („Ich habe eine Idee“) mit immaterieller Motivation (Punkte, Preise). Dies bindet die Mitarbeiter des Auftragnehmers in den Prozess der Schaffung einer sicheren Umgebung ein.
  • Management gleichzeitiger Arbeiten (SIMOPS): Verwendung einer Abstandsmatrix zur Vermeidung von Konflikten bei der parallelen Ausführung gefährlicher Arbeiten (z. B. Verbot von Heißarbeiten in einem Radius von 400 Metern beim Aufbrechen der Formation).
  • Interne Schulungen nach Sicherheitsstandards: Durchführung einer dreitägigen Schulung für das technische und ingenieurtechnische Personal von Auftragnehmern mit Ausstellung von Zertifikaten sowie Unterweisungen für Arbeiter in proaktiven Praktiken („5 Minuten Sicherheit“, „Anhalten, nachdenken, handeln“).

Rating und Integration der Konzepte Vision Zero und 5Z

Zur Bewertung der Effizienz der Arbeit mit Auftragnehmern wird ein Rating-System verwendet, das alle sechs Monate durchgeführt wird. Es umfasst einen reaktiven Block (Verstöße, Strafen) und einen proaktiven Block (Anwendung von Sicherheitspraktiken). Das Erreichen der „roten Zone“ bedeutet die Beendigung der Zusammenarbeit nach Vertragsende.

Der Referent betont die Wichtigkeit der Integration internationaler Konzepte. Der Beitritt zu Vision Zero (Null Unfälle) und 5Z (Bewertung des Reifegrads) ermöglicht es, Sicherheitsprinzipien auf Auftragnehmer und Subunternehmer zu kaskadieren und eine einheitliche Kultur zu bilden. Eine jährliche Bewertung nach den sieben goldenen Regeln von Vision Zero und die Entwicklung von Maßnahmenplänen zur Verbesserung gewährleisten eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie baut man ein effektives System zur Präqualifikation von Auftragnehmern in der Ausschreibungsphase auf?
  • Welche Kriterien sollten zur Einstufung von Verträgen nach Risikoniveau verwendet werden?
  • Wie organisiert man eine zweistufige Zulassung eines Auftragnehmers zu einer gefährlichen Produktionsstätte?
  • Wie wendet man Strafen an, um proaktive Maßnahmen des Auftragnehmers zu stimulieren?
  • Wie integriert man die Prinzipien von Vision Zero und 5Z in die Arbeit mit Auftragnehmern?
  • Wie handelt man in ungewöhnlichen Situationen bei der Zulassung von unqualifiziertem Personal des Auftragnehmers?
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