Transformation der Motivation im HSE-Bereich

Fallstudie
31 Oktober 2024 🇷🇺 Originalsprache: русский

Transformation der Motivation im HSE-Bereich: von komplexen Standards zu verständlichen Kriterien

Die Motivation der Mitarbeiter im Bereich Arbeitssicherheit und Umweltschutz (HSE) ist eines der Schlüsselelemente beim Aufbau einer Sicherheitskultur in jedem Unternehmen. Oftmals werden Bewertungs- und Belohnungssysteme jedoch zu schwerfällig und unverständlich für diejenigen, an die sie sich richten. In ihrem Vortrag analysiert Yulia Pavlycheva, Managerin der Abteilung für die Entwicklung der Sicherheitskultur bei PJSC MMC Nornickel, den Transformationsprozess des Motivationssystems am Beispiel der Einzelmeisterschaften im Unternehmen.

Die Referentin zeigt, wie der Übergang von einem komplexen 35-seitigen Standard mit 37 Kriterien zu einem transparenten und verständlichen Bewertungssystem das Engagement der Mitarbeiter um ein Vielfaches steigern konnte. Die wichtigste Erkenntnis: Je einfacher und transparenter die Spielregeln sind, desto mehr Menschen sind bereit, mitzuspielen und sich folglich aktiver an der Gewährleistung der Arbeitssicherheit zu beteiligen.

Analyse des bestehenden Systems und Identifizierung von Schwachstellen

Vor der Transformation basierte das System der HSE-Wettbewerbe im Unternehmen auf einem umfangreichen Standard. Darin waren 37 Bewertungskriterien festgelegt, die alle möglichen Aspekte abdeckten: von der Industrie- und Brandsicherheit über die Zertifizierung von Arbeitsplätzen bis hin zu allgemeinen Initiativen (wie dem Pflanzen von Bäumen).

Die Referentin weist auf die wesentlichen Mängel des alten Ansatzes hin:

  • Schwere Verständlichkeit: Das Dokument war in einer komplizierten Sprache verfasst, was potenzielle Teilnehmer abschreckte.
  • Formaler Ansatz: Die Teilnahme wurde oft vom Vorgesetzten initiiert («Du nimmst teil, füll die Tabelle aus») und nicht vom Mitarbeiter selbst.
  • Geringes Engagement: Jährlich nahmen nur etwa 30 Personen im gesamten Unternehmen an den Wettbewerben teil.
  • Verschwommene Kriterien: Die Einbeziehung von Initiativen, die nur schwach mit dem direkten Arbeitsschutz verbunden waren (wie das Pflanzen von Bäumen), verringerte den Fokus auf die tatsächliche Sicherheit.

Neuer Ansatz: Einfachheit, Transparenz und Automatisierung

Die Transformation begann mit einer Änderung des Formats. Das Hauptprinzip, das die Referentin hervorhebt: «Je weniger Buchstaben, desto einfacher ist es für die Menschen zu verstehen». Das neue Dokument wurde in einfacher Sprache verfasst, ohne «Füllwörter», mit klaren Angaben zu Fristen, Verantwortlichen und Kommunikationskanälen.

Der nächste Schritt war die Überarbeitung der Bewertungskriterien. Diese wurden an verschiedene Teilnehmerkategorien angepasst: Abteilungsleiter, Linienmanager, HSE-Spezialisten und Arbeiter. Die Anzahl der Kriterien wurde radikal reduziert und der Schwerpunkt auf proaktive und reaktive Indikatoren verlagert.

Kriterien für Führungskräfte

Für Führungskräfte wurden folgende Schlüsselindikatoren festgelegt:

  • Keine Todesfälle: Basiskriterium. Das Vorliegen eines Todesfalls (auch bei Auftragnehmern) schließt die Führungskraft für ein Jahr aus dem Ranking aus. Das Fehlen bringt Punkte. Dies unterstreicht die Verantwortung der Führungskraft für alle Mitarbeiter an ihrem Standort.
  • Gewonnene Erkenntnisse (Lessons Learned): Umsetzung von Maßnahmen, die auf Verletzungsfällen basieren, und Vorschlag eigener Initiativen.
  • Schulung: Teilnahme an Trainings zur Sicherheitskultur («Drei Schritte zur Sicherheit», «Dynamische Risikobewertung» usw.). Zusätzliche Punkte werden für positives Feedback von Untergebenen über die praktische Anwendung des erworbenen Wissens durch die Führungskraft vergeben.
  • Lebensrettung (Kardinale Sicherheitsregeln - KSR): Aufdeckung von KSR-Verstößen. Punkte werden nicht nur für persönliche Aufdeckungen der Führungskraft vergeben, sondern auch für Fälle, die von ihren Untergebenen aufgedeckt wurden, was die Führungskraft anspornt, die Sicherheitskultur im Team zu entwickeln.
  • Risikoerkennung: Teilnahme am Prämienprogramm für die Erkennung und Beseitigung von Risiken.
  • Persönliche Erfolge: Zusätzliche Punkte vom Management des HSE-Bereichs für besondere Verdienste und Verbesserungen.

Eine wichtige Neuerung war die Automatisierung der Datenerfassung. Den Großteil der Informationen (Verletzungsstatistiken, Schulungsteilnahmen, KSR-Aufdeckungen) sammeln die Organisatoren selbstständig aus den Unternehmenssystemen (SAP, ASKUB). Von den Teilnehmern wird lediglich verlangt, Informationen über persönliche Erfolge bereitzustellen. Dies hat den bürokratischen Aufwand für die Mitarbeiter erheblich reduziert.

Kriterien für HSE-Spezialisten und Arbeiter

Für HSE-Spezialisten wurde neben den Standardkriterien (Schulung, KSR-Aufdeckung) der Indikator «Imageverbesserung des HSE-Bereichs» und die Bewertung von Verbesserungen im HSE-Bereich eingeführt. Die Referentin betont, dass dieses Kriterium ein hohes Engagement von Spezialisten aufzeigte, die neben ihrer Hauptarbeit viele zusätzliche Projekte leiten.

Für Arbeiter wurden folgende Schlüsselkriterien festgelegt:

  • Keine Disziplinarstrafen (mehr als drei Verstöße führen zum Ausschluss aus dem Wettbewerb).
  • Aktive Aufdeckung von Verstößen gegen die kardinalen Sicherheitsregeln.
  • Erkennung von Risiken am Arbeitsplatz.
  • Teilnahme an Schulungen für Arbeiter.

Ergebnisse der Transformation und Bewertung der Wirksamkeit

Die Vereinfachung des Systems und die Automatisierung der Datenerfassung brachten beeindruckende Ergebnisse. Bereits im ersten Jahr nach Einführung der neuen Regeln stieg die Zahl der Kandidaten, die an der Einzelmeisterschaft teilnahmen, von 30 auf 110 Personen. Dies zeigt deutlich, dass transparente und verständliche Regeln das Engagement der Mitarbeiter fördern.

Die Referentin fasst zusammen, dass die Wirksamkeit des Motivationssystems direkt davon abhängt, wie verständlich und benutzerfreundlich es für die Menschen ist. Indem das Unternehmen auf die Mitarbeiter zugeht, die Struktur vereinfacht und den bürokratischen Aufwand reduziert, erreicht es ein echtes Engagement in Sicherheitsfragen anstelle eines formalen Ausfüllens von Papieren.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie erkennt man, dass das bestehende HSE-Motivationssystem veraltet ist und überarbeitet werden muss?
  • Welche Bewertungskriterien sind für verschiedene Mitarbeiterkategorien (Führungskräfte, Spezialisten, Arbeiter) am effektivsten?
  • Wie lässt sich die Datenerfassung zur Bewertung von HSE-Indikatoren automatisieren und der bürokratische Aufwand für das Personal reduzieren?
  • Wie verknüpft man die Erkennung von Risiken und Verstößen gegen kardinale Sicherheitsregeln mit dem Belohnungssystem?
  • Wie wirkt sich die Vereinfachung von Standards und Regeln auf das tatsächliche Engagement der Mitarbeiter in Sicherheitsfragen aus?
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