HSE vs. Produktion: Die Suche nach dem Gleichgewicht
Die Einführung einer Sicherheitskultur in einem Industrieunternehmen stößt oft auf allen Ebenen auf Widerstand: von Arbeitern, die die Anforderungen als Hindernis empfinden, bis hin zu Führungskräften, die sich ausschließlich an Produktionskennzahlen orientieren. In diesem Webinar analysiert Alexey Kuzin, Leiter der Abteilung für HSE und Produktionskontrolle der AO UK BMZ, praktische Instrumente zur Überwindung dieser Barriere und zum Aufbau eines effektiven HSE-Managementsystems.
Drei Ebenen der Kontrolle und Einbindung
Der Referent betrachtet detailliert ein dreistufiges Sicherheitsmanagementmodell, bei dem jede Ebene ihre spezifischen Instrumente und Verantwortungsbereiche hat.
Ebene 1: Produktionsbereich (Meister)
Auf der Basisebene kommt der direkten Führungskraft eine Schlüsselrolle zu. Die wichtigsten Instrumente:
- Sicherheitskreuz: Ein visueller Indikator (grün/gelb/rot), der täglich vom Meister ausgefüllt wird. Eine wichtige Erkenntnis: Ein komplett grünes Kreuz ist ein Signal zur Überprüfung, da es immer kleine Abweichungen gibt. Die Erfassung eines Verstoßes im Kreuz befreit von der Duplizierung in Vorschriften und motiviert die Meister, selbstständig an Problemen zu arbeiten.
- HSE-Informationstafeln: Werden vollständig vom Meister geführt. Sie spiegeln Risiken, PSA, Ergonomie und den Maßnahmenplan zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen wider.
- Risikobewertung: Wurde von den HSE-Spezialisten an Arbeitsgruppen unter der Leitung des Meisters übergeben. Die monatliche Risikokontrolle wird anhand von Checklisten durch die Bediener selbst durchgeführt.
Ebene 2: Abteilung (Abteilungsleiter)
Auf der Abteilungsebene verlagert sich der Fokus auf systematische Arbeit und die Einbindung des Personals:
- HSE-Tag: Eine monatliche thematische Veranstaltung (von Vision Zero bis zur Sicherheit im Alltag). Umfasst unkonventionelle Formate wie Quests zur Suche nach Verstößen und zur Untersuchung simulierter Verletzungen sowie Quizze.
- Leistungskennzahlen (KPI): Es wurden Metriken eingeführt, die sich nicht direkt auf Prämien auswirken, aber die Arbeit der Abteilung öffentlich bewerten: Wirksamkeit der Beseitigung von Verstößen (keine Wiederholungen), Reaktionszeit, Führung der Informationstafeln und Qualität der Durchführung des HSE-Tages.
Ebene 3: Werk (Direktion)
Die höchste Ebene erfordert ein „Sicherheitsmarketing“, um der Geschäftsführung ein realistisches Bild zu vermitteln:
- Direktionssitzungen: Regelmäßige Behandlung von HSE-Themen unter Beteiligung des Generaldirektors. Es werden Daten aus allen Ebenen analysiert: von kleinen Abweichungen bis hin zur Umsetzung des Vision-Zero-Konzepts.
- Integration in das Produktionssystem: HSE wird durch das Prisma der Lean Production betrachtet, wobei jede Verletzung oder jeder Vorfall als Verlust gewertet wird.
Umgang mit Mikrotraumata und Wirksamkeit
Der Vortrag zeigt, wie das Unternehmen mit Mikrotraumata umgeht. Zur Ermittlung der Grundursachen wird ein Quick Response Control (QRC) Tool eingesetzt (Ishikawa-Diagramm, „5-Why-Methode“). Jedes Mikrotrauma wird von einer Kommission der direkten Führungskraft untersucht, in 1C erfasst und vom zuständigen Direktor kontrolliert. Dieser Ansatz ermöglichte es dem Unternehmen, innerhalb eines Jahres null leichte und schwere Verletzungen zu erreichen.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie man das „Sicherheitskreuz“ zum Laufen bringt und warum das Fehlen von Verstößen ein schlechtes Zeichen ist?
- Wie man direkte Führungskräfte motiviert, Risiken selbstständig zu erkennen und zu beseitigen?
- Welche unkonventionellen Formate (Quests, Quizze) für die Durchführung des HSE-Tages effektiv sind?
- Wie man HSE in das Lean-Production-System integriert?
- Wie man den Umgang mit Mikrotraumata richtig strukturiert, um schwere Vorfälle zu vermeiden?