Das Problem von Arbeitsunfällen wird oft auf technische Mängel oder Verstöße gegen Vorschriften reduziert. Die Praxis zeigt jedoch, dass mehr als 90 % der Fälle mit dem menschlichen Faktor zusammenhängen. Der Referent Alexander Vanyukov, Generaldirektor von SafeStart Rus LLC, analysiert, warum selbst erfahrene und vernünftige Mitarbeiter kritische Fehler machen, die zu Verletzungen führen. Der Vortrag beleuchtet im Detail das Konzept des SafeStart-Programms, dessen Ziel es ist, Mitarbeitern zu helfen, unbeabsichtigte Fehler durch das Bewusstsein für die eigenen Zustände zu vermeiden.
Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie bestimmte menschliche Zustände unweigerlich zu Fehlern führen. Es werden vier Hauptzustände unterschieden:
Diese Zustände provozieren vier kritische Fehler: Der Mitarbeiter schaut nicht auf das, was er tut; er denkt nicht an das, was er tut; er gerät in den Bereich gefährlicher Energie (die «Schusslinie»); er verliert das Gleichgewicht oder den Halt. Das Verständnis dieser Kette ist der erste Schritt zur Vermeidung von Verletzungen.
Maria Alekseeva, EHS-Projektingenieurin bei Takeda, teilt ihre Erfahrungen bei der Einführung des Programms in einem Pharmawerk in Jaroslawl. Trotz einer Null-Statistik bei Verletzungen mit Arbeitsausfall zeigten zwei Vorfälle mit erfahrenen Mitarbeitern (Einklemmen der Finger in der Ausrüstung) die Notwendigkeit, am Verhaltensfaktor zu arbeiten. Die Hauptursachen waren Eile und Unaufmerksamkeit.
Die Einführung des Programms erforderte einen umfassenden Ansatz: von der Einbeziehung der Geschäftsführung bis zur Ausbildung interner Trainer. Ein wichtiges Element war das Instrument «Bewerte deinen Zustand», das Führungskräfte bei Rundgängen (Gemba) für den Dialog mit den Mitarbeitern nutzen. Dies hilft den Mitarbeitern, ihre Risiken im Moment zu erkennen und Techniken zur Fehlervermeidung anzuwenden.
Das SafeStart-Programm ersetzt nicht die bestehenden Sicherheitsstandards (z. B. LOTO), sondern ergänzt sie durch die Arbeit am menschlichen Faktor. Der Referent merkt an, dass eine erfolgreiche Integration Zeit und Konsequenz erfordert. Im Takeda-Werk ist das Programm Teil der allgemeinen Kultur geworden: SafeStart-Elemente sind in Unterweisungen, Unfalluntersuchungen und tägliche Besprechungen integriert. Dies führte zu einem wachsenden Vertrauen im Team und einer Zunahme von Meldungen über Mikroverletzungen und potenziell gefährliche Situationen (Near Misses).
Entdecken Sie die vollständige Bibliothek bewährter Praktiken der Arbeitssicherheit
Zur Bibliothek