Umfassendes System zur Bewertung des Arbeitsschutzes in einer Produktionsstätte der RZD AG

Fallstudie
25 Oktober 2022 🇷🇺 Originalsprache: русский

Evolution des Kontrollsystems: Von formalen Protokollen zur digitalen Transparenz

Das HSE-Management bei einem der größten Arbeitgeber des Landes erfordert einen systematischen Ansatz, der Hunderttausende von Mitarbeitern abdecken kann. In seinem Vortrag analysiert Andrey Lisitsyn, Leiter der Abteilung für Ökologie und Technosphärensicherheit der RZD AG, den Transformationsprozess des traditionellen dreistufigen Kontrollsystems hin zu einem modernen umfassenden System zur Bewertung des Arbeitsschutzes im Unternehmen (KSOTP).

Das seit 1981 historisch gewachsene Kontrollsystem mit Papierprotokollen hatte sich allmählich zu einer routinemäßigen Formalität entwickelt. Das Hauptproblem war der Abbruch des Feedbacks zwischen Führungskräften und Mitarbeitern. Der Redner zeigt am Beispiel der RZD, wie der Übergang zu einem prozessorientierten Ansatz die Schaffung eines transparenten und funktionierenden Instruments zur Einbindung des Personals in Sicherheitsfragen ermöglichte.

Mehrstufige Architektur des KSOTP: Wie es in der Praxis funktioniert

Das implementierte KSOTP-System baut auf mehreren Kontrollebenen auf, von denen jede ihre eigenen klaren Aufgaben und Umsetzungsinstrumente hat.

Erste Ebene: Einbindung jedes Mitarbeiters

Die grundlegende Kontrollebene wird direkt am Arbeitsplatz durchgeführt. Die wichtigste Neuerung ist die Möglichkeit für jeden Mitarbeiter, nicht nur für Führungskräfte oder HSE-Beauftragte, einen festgestellten Verstoß zu dokumentieren. Hierfür werden an zugänglichen Stellen ausgehängte Mängellisten verwendet.

Der Prozess ist durch Checklisten formalisiert: 11 Schlüsselpositionen werden vor Arbeitsbeginn und 8 Positionen im Laufe des Tages überprüft. Die festgestellten Mängel werden nach Gefährdungsgrad unter Verwendung einer Visualisierung („Sicherheitskreuz“) eingestuft:

  • Rot: Gefährliche Verstöße, die einen sofortigen Arbeitsstopp und die Evakuierung von Personen aus dem Gefahrenbereich erfordern.
  • Orange: Warnungen vor Verletzungsrisiken.
  • Gelb: Weniger bedeutende Verstöße gegen HSE-Anforderungen.
  • Grün: Keine Beanstandungen.
  • Blau/Violett: Erfassung von Mikrotraumata (deren Erfassung im Unternehmen seit 2014 erfolgt).

Zweite und dritte Ebene: Audit und Punktebewertung

Die zweite Kontrollebene wird von den Leitern der Produktionsabteilungen (Werkstatt-, Abschnittsleiter) durch Ausfüllen einer Checkliste mit 6 Abschnitten durchgeführt. Bewertet wird nicht nur der aktuelle Zustand, sondern auch die Wirksamkeit der Arbeit der ersten Stufe, einschließlich der rechtzeitigen Behebung von Mängeln.

Die dritte Ebene ist eine vierteljährliche kommissionsbasierte Überprüfung unter dem Vorsitz des Unternehmensleiters. Die Checkliste enthält 50 Fragen (24 allgemeine für das Unternehmen und 26 spezifische für die Niederlassung). Basierend auf den Ergebnissen wird eine Punktzahl vergeben, die den Status der Abteilung bestimmt:

  • Unter 60 Punkten: Kritisches Nichtbestehen.
  • 60 – 80 Punkte: Befriedigend.
  • 80 – 90 Punkte: Teilweise Übereinstimmung.
  • 90 – 100 Punkte: Vollständige Übereinstimmung (ermöglicht die Reduzierung der Prüfhäufigkeit auf einmal pro Halbjahr).

Digitalisierung und Motivation: Von Infotafeln zu mobilen Apps

Die Größe des Unternehmens (über 700.000 Mitarbeiter) machte die Automatisierung des KSOTP unumgänglich. Der Redner betrachtet detailliert die Evolution der Instrumente: von Papierlisten an Infotafeln über Terminals bis hin zu mobilen Apps. Die Einführung des „Persönlichen Bereichs des Maschinisten“ hat bereits über 105.000 Nutzer erreicht und bietet ihnen direkten Zugriff auf die KSOTP-Funktionen von ihren persönlichen Geräten aus, trotz strenger unternehmensinterner Anforderungen an die Informationssicherheit.

Ein wichtiges Element des Systems ist das Ticket-Warnsystem (grüne, gelbe, rote Tickets), das in den Schulungs- und Wissensüberprüfungsprozess integriert ist. Darüber hinaus sind Mechanismen zur finanziellen Belohnung aktiver Prozessbeteiligter aus dem Lohnfonds vorgesehen.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie man ein formales dreistufiges Kontrollsystem in ein funktionierendes Instrument zur Mitarbeitereinbindung transformiert.
  • Nach welchen Kriterien Verstöße eingestuft werden und wie die Risikovisualisierung („Sicherheitskreuz“) funktioniert.
  • Wie man ein Punktesystem zur Bewertung von Abteilungen aufbaut und es mit der Prüfhäufigkeit verknüpft.
  • Welche Schritte für die Digitalisierung von HSE-Prozessen in einem Großunternehmen erforderlich sind.
  • Wie man ein effektives Feedback mit den Mitarbeitern bei der Feststellung von Mängeln sicherstellt.
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