Das Management von Zehntausenden von Auftragnehmern ist ein komplexer Prozess, der mit hohen Risiken im Bereich HSE verbunden ist. Manuelle Kontrolle, papierbasierter Dokumentenfluss und der menschliche Faktor führen oft zu Informationsverlusten und einer geringeren Reaktionsfähigkeit bei der Entscheidungsfindung. In ihrem Vortrag erläutert Polina Didenko, Leiterin der Abteilung für HSE-Risikomanagement bei Gazprom Neft, wie die Digitalisierung hilft, diesen Prozess zu systematisieren und auf allen Ebenen transparent zu machen.
Um das Problem der Datentransparenz zu lösen, wurde der „Digitale HSE-Partner“ entwickelt – ein Schritt-für-Schritt-Tracker, der alle Rollen (vom Auftraggeber bis zum Auftragnehmer) in jeder Phase der Interaktion begleitet. Die Referentin zeigt an einem Beispiel, wie das System den Prozess von der Vertragsinitiierung bis zur Leistungsbewertung des Auftragnehmers automatisiert.
Ein entscheidender Schritt vor Arbeitsbeginn ist die HSE-Risikobewertung. Der Vortrag beleuchtet detailliert den Mechanismus zur Erstellung eines Risikoregisters im digitalen System. Experten gleichen im Vorfeld Dienstleistungsarten mit den Hauptrisiken des Unternehmens (dem „Sicherheitsrahmen“) ab, was als obligatorisches Minimum für den Auftragnehmer dient.
Darüber hinaus berücksichtigt das System die taktischen Risiken der Tochtergesellschaften, die operativen Risiken des Auftragnehmers selbst sowie die Lehren aus vergangenen Vorfällen. Auf Basis dieser Bewertung wird ein Plan für proaktive Maßnahmen entwickelt – Aktionen, die nicht im Vertrag vorgesehen sind, aber darauf abzielen, Risiken zu mindern oder das HSE-Managementsystem zu verbessern (z. B. die Organisation von Sportveranstaltungen für Mitarbeiter in abgelegenen Camps).
Die Einführung des digitalen Trackers hat die Reaktionsgeschwindigkeit bei HSE-Fragen deutlich erhöht und für Datentransparenz gesorgt. Die Leistungsbewertung des Auftragnehmers dauert nun nur noch wenige Minuten, und das System berechnet automatisch ein Rating auf Basis reaktiver und proaktiver Indikatoren.
Ein wichtiges Ergebnis war der Paradigmenwechsel in der Zusammenarbeit: vom „Auftraggeber-Auftragnehmer“-Modell hin zu einer „Partner-Partner“-Beziehung. Die Auftragnehmer erhielten Online-Zugriff auf ihre Leistungskennzahlen, was ihr Interesse an der Einhaltung von Sicherheitsanforderungen und der Umsetzung proaktiver Maßnahmen steigerte.
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