Vom Kontroll- zum Serviceansatz: Die Evolution der Zusammenarbeit mit Auftragnehmern
Das Sicherheitsmanagement von Auftragnehmern ist eine der komplexesten Herausforderungen für große Industrieholdings. Der traditionelle Ansatz, der ausschließlich auf strengen Anforderungen und Strafen basiert, führt oft dazu, dass Vorfälle verheimlicht und Regeln nur formal eingehalten werden. Ein natürlicher Entwicklungsschritt in der Branche ist der Übergang zu einem Servicemodell, bei dem das auftraggebende Unternehmen ein bequemes und verständliches Sicherheitsökosystem für den Auftragnehmer schafft. In seinem Vortrag erläutert Georgiy Adzhienko am Beispiel der NLMK-Gruppe detailliert, wie die Prinzipien des Systems Engineering und der Kundenorientierung dazu beitragen, die Unfallrate unter den 18.000 Mitarbeitern von Auftragnehmern zu senken.
Optimierung der Zulassung und praxisnahe Schulung
Eine Analyse der Vorfälle zeigt, dass in neun von zehn Fällen die Hauptursache für Vorfälle mit Auftragnehmern ein geringes Kompetenzniveau ist. Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie ressourcenintensive Zulassungs- und Schulungsprozesse in effektive Instrumente umgewandelt werden können.
- Automatisierung der Erstunterweisung. Mehrstündige Präsenzschulungen wurden durch fachspezifische Videos (20 Minuten für nicht-produzierendes und 70 Minuten für produzierendes Personal) mit anschließendem Test ersetzt. Dies verkürzte die Dauer des Verfahrens um das Siebenfache, und die Testergebnisse werden automatisch in das Zutrittskontrollsystem (ZKS) integriert.
- Praktische Überprüfung der Fähigkeiten. Für Arbeiten mit erhöhtem Risiko (Höhenarbeiten, Heißarbeiten, Hebearbeiten, elektrische Sicherheit) wurde eine obligatorische Kurzschulung auf Übungsgeländen eingeführt. Der Mitarbeiter muss in der Praxis zeigen, dass er einen Auffanggurt anlegen oder eine Anschlageinrichtung verwenden kann.
- Verknüpfung von Schulung und Zulassung. Nach erfolgreicher Überprüfung erhält der Mitarbeiter ein spezielles Erkennungszeichen („Auftragnehmerpass“). Die Supervisoren vor Ort überprüfen das Vorhandensein dieses Zeichens bei der Zulassung des Teams gemäß der Arbeitserlaubnis, wodurch der Einsatz von unqualifiziertem Personal ausgeschlossen wird.
Sicherheitsinfrastruktur: Modulgerüste und analytisches Supervising
Die Gewährleistung der physischen Sicherheit von Arbeitsplätzen erfordert die Standardisierung der verwendeten Ausrüstung und eine tiefgehende Analyse von Verstößen.
- Zentrale Bereitstellung von Gerüsten. Das Unternehmen hat auf die Verwendung von nicht-inventarisierten Gerüsten durch Auftragnehmer verzichtet. Stattdessen werden moderne Modulgerüste vermietet, die von spezialisierten Gerüstbauunternehmen montiert werden. Die Zulassung des Teams erfolgt erst nach Überprüfung der Gerüste durch einen Supervisor und dem Anbringen eines grünen Schildes.
- Schulung im Umgang mit Gerüsten. Die Praxis hat gezeigt, dass selbst sichere Gerüste zu einer Gefahrenquelle werden können, wenn Arbeiter eigenmächtig Riegel oder Plattformen demontieren. Die Einführung einer obligatorischen 30-minütigen Unterweisung in den Regeln für die Nutzung von Modulgerüsten hat die Anzahl solcher Verstöße drastisch reduziert.
- Sicherheitsindex. Das Supervising wurde von einer einfachen Aufsicht in ein analytisches Instrument umgewandelt. Monatlich wird ein Sicherheitsindex für jede Art von Arbeiten mit erhöhtem Risiko erstellt. Detaillierte Statistiken ermöglichen einen sachlichen Dialog mit den Leitern der Auftragnehmer auf regelmäßigen Foren.
Einbindung von Führungskräften und gezielte Verwendung von Strafen
Für eine nachhaltige Senkung der Unfallrate ist die aktive Beteiligung der Führungskräfte der Auftragnehmer an Fragen des Arbeitsschutzes erforderlich.
- Notizbücher für Linienrundgänge. Viele Führungskräfte vermeiden Sicherheitsaudits aus Mangel an Fachwissen. Die Entwicklung von Taschen-Checklisten mit visuellen Hinweisen (worauf zu achten ist, welche typischen Verstöße zu suchen sind) hat den Prozess der Linienrundgänge für Geschäftsführer einfach und verständlich gemacht.
- Verrechnung von Strafen. Strafmaßnahmen wurden in Richtung Entwicklung gelenkt. Der Auftragnehmer hat das Recht, die Strafe nicht direkt zu zahlen, sondern einen entsprechenden Betrag für die Beseitigung der Hauptursachen des Verstoßes zu verwenden – zum Beispiel für den Kauf hochwertiger Auffanggurte oder die Bezahlung von Personalschulungen in einem Schulungszentrum.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie Sie die Zeit für die Erstunterweisung von Auftragnehmern um ein Vielfaches reduzieren können, ohne an Qualität zu verlieren.
- Wie Sie die Überprüfung praktischer Fähigkeiten technisch und organisatorisch mit dem System der Arbeitserlaubnisse verknüpfen können.
- Warum die Einführung moderner Modulgerüste eine obligatorische zusätzliche Schulung des Linienpersonals erfordert.
- Wie Sie Führungskräfte von Auftragnehmern mithilfe von visuellen Checklisten motivieren können, regelmäßig Linienrundgänge durchzuführen.
- Wie der Mechanismus der gezielten Verrechnung von Strafen funktioniert und warum er effektiver ist als die direkte Einziehung von Geldern.