Der traditionelle Ansatz zum Arbeitsschutz beschränkt sich oft auf das Unterzeichnen von Berichten und die Kontrolle der Einhaltung von Vorschriften. Echte Veränderungen in der Sicherheitskultur beginnen jedoch erst dann, wenn sich die Unternehmensführung persönlich in den Prozess einbringt. In seinem Vortrag analysiert Elvir Ilyasov, Leiter der Abteilung für Produktionssicherheit bei „Stroytransneftegaz“, einen unkonventionellen Ansatz zur Einbindung der Unternehmensspitze in Fragen des Arbeitsschutzes. Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie die Initiative „Tag des Direktors als HSE-Spezialist“ die Einstellung der Mitarbeiter zu ihrer eigenen Sicherheit transformieren und festgefahrene Verhaltensmuster auf der Baustelle verändern kann.
Eines der Hauptprobleme in der Produktion ist die formelle Einstellung der Arbeiter zu den Sicherheitsregeln. Der Referent merkt an, dass Menschen die Regeln oft nicht aus Unwissenheit verletzen, sondern weil sie nicht glauben, dass diese Regeln zu ihrem Schutz geschrieben wurden. Im Vortrag wird detailliert ein Beispiel für die Interaktion mit einem Mitarbeiter betrachtet, der systematisch kleine Verstöße beging und den Kontakt verweigerte. Ein informeller Ansatz und die Fähigkeit, eine gemeinsame Sprache zu finden, ermöglichten es nicht nur, die Einstellung dieses Arbeiters zu den Ermahnungen zu ändern, sondern ihn auch in einen aktiven Befürworter sicherer Arbeit zu verwandeln, der nun selbst den Neulingen die Regeln erklärt.
Um das Problem der versteckten Mikrotraumata und der geringen Nutzung von PSA (nur 70 %) zu lösen, wurde ein Konzept vorgeschlagen, bei dem der Direktor wöchentlich Zeit für die Arbeit „im Feld“ aufwendet. Was hat das in der Praxis gebracht?
Als Ergebnis der Einführung dieser Praktiken (im realen Fall begann der Direktor, täglich 3 Stunden für Rundgänge aufzuwenden) konnte die Rate der Mikrotraumata erheblich gesenkt und das Engagement des Personals gesteigert werden.
Der Referent betont, dass digitale Werkzeuge, wie der Chatbot „Taschen-Neo-Audit“ (der anhand eines Fotos Empfehlungen zur Verbesserung des Arbeitsplatzes gibt), nur in Verbindung mit persönlicher Kommunikation effektiv sind. Die Verringerung der Formalität, die Verwendung verständlicher Beispiele (Analyse realer Unfallfälle anstelle trockener Anweisungen) und die Anpassung der Regeln an die Realitäten der Arbeiter (z. B. Audioversionen von Anweisungen) helfen dabei, Sicherheit zu einem bewussten Wert und nicht zu einer aufgezwungenen Pflicht zu machen.
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