Der Übergang von der formalen Einhaltung von Vorschriften zu einer bewussten Arbeitssicherheit ist ohne die aktive Beteiligung der Geschäftsführung unmöglich. In der Praxis stoßen HSE-Fachkräfte jedoch regelmäßig auf Widerstand, Zeitmangel bei Top-Managern und einen formalen Ansatz bei Führungsrundgängen. Im Rahmen des neuen Formats „Direkter Draht“ analysiert Alexander Pivikov, ein Experte mit zwanzigjähriger Erfahrung in der Arbeitssicherheit, reale Fallstudien zur Transformation der Unternehmenskultur und zum Aufbau funktionierender HSE-Prozesse.
Ein Kernproblem vieler Unternehmen bleibt die rein deklaratorische Haltung der Führungsebene zu Sicherheitsfragen. Der Referent zeigt am Beispiel großer Industrieholdings, wie diese Situation systematisch verändert werden kann. Die Grundlage des Ansatzes sind regelmäßige Besuche der Produktionsstätten (Gemba) durch die Geschäftsführung mit ausschließlichem Fokus auf Sicherheitsaudits.
Damit dieser Prozess nicht zur Routine wird, wird ein Mechanismus zur Digitalisierung der Führungsaktivitäten vorgeschlagen. Die Erfassung von Statistiken zu durchgeführten Audits, die Erstellung von Engagement-Rankings und deren öffentliche Diskussion an Sicherheitstagen schaffen ein transparentes Umfeld. Ein wichtiges Element ist die inhaltliche Vorbereitung des Geschäftsführers: Schwerpunkte in Besprechungen sollten auf Basis objektiver Daten gesetzt werden, wobei Nachzügler korrigierendes Feedback erhalten und Vorreiter öffentlich anerkannt werden.
Das Sicherheitsmanagement in einem Großunternehmen generiert eine enorme Datenmenge. Der Vortrag beleuchtet detailliert den Übergang zu automatisierten Managementsystemen, die gleich mehrere Aufgaben lösen:
Das traditionelle System von Prämienkürzungen bei Verstößen gegen Arbeitsschutzregeln führt oft zur Verheimlichung von Vorfällen und zu Unmut beim Personal. Eine Strafe wird von den Mitarbeitern als eine Art „Gebühr“ für das Recht, eine Regel zu brechen, wahrgenommen. Stattdessen wird vorgeschlagen, Zugangsausweise zu sperren, gefolgt von einem obligatorischen Gespräch mit dem direkten Vorgesetzten und einer Nachschulung.
Zur positiven Verstärkung sicheren Verhaltens empfiehlt der Referent Instrumente der öffentlichen Anerkennung. Thematische Geschenke für die Identifizierung von Risiken, Wanderpokale für die besten Abteilungen und Artikel in Unternehmenspublikationen setzen die richtigen Maßstäbe, ohne das Risiko, Kennzahlen für eine Geldprämie zu fälschen.
HSE-Fachkräfte, die mit Aufgaben zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften überlastet sind, kümmern sich zwangsläufig nur nachrangig um die Kulturentwicklung. Die Lösung dieses Problems ist die Ernennung spezieller Mitarbeiter oder ganzer Abteilungen, die sich ausschließlich auf kulturelle Initiativen, Kommunikation und Schulungen konzentrieren. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, horizontale Verbindungen aufzubauen, damit die Inspektoren vor Ort einheitliche Werte und Ansätze vermitteln.
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