Vom reaktiven Ansatz zur proaktiven Sicherheitskultur
Die Entwicklung einer Sicherheitskultur in modernen Produktionsunternehmen ist untrennbar mit dem Übergang von der reaktiven Reaktion auf Vorfälle zum proaktiven Risikomanagement verbunden. In diesem Webinar teilen Experten von Coca-Cola HBC Russland und Paulig praktische Erfahrungen beim Aufbau eines Kommunikationssystems für Vorfälle, das nicht nur eine schnelle Reaktion auf Ereignisse ermöglicht, sondern diese auch an allen Produktionsstandorten verhindert.
Natalia Kovaleva, Country HSE Manager bei Coca-Cola HBC Russland, und Yulia Babenko, Quality Director bei Paulig, analysieren detailliert Instrumente zur Mitarbeiterbindung, Methoden zur Risikovisualisierung und schnelle Benachrichtigungssysteme, die sich in der Praxis bewährt haben.
Instrumente für proaktive Kommunikation und Mitarbeiterbindung
Der Sprecher zeigt am Beispiel von Coca-Cola HBC Russland, wie ein systematischer Ansatz zur Mitarbeiterinformation dazu beiträgt, die Verletzungsrate zu senken. Ein Schlüsselelement ist die regelmäßige und gezielte Kommunikation, die alle Ebenen der Organisation umfasst.
- Monatliche thematische Artikel und Safety-Tage: Die Planung von Themen für ein Jahr im Voraus unter Berücksichtigung von Saisonalität und Statistiken vergangener Zeiträume ermöglicht es, sich auf die relevantesten Risiken zu konzentrieren. Regelmäßige Treffen (Safety-Tage) mit Produktions- und Logistikpersonal schaffen eine offene Plattform, um Vorfälle zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und Präventivmaßnahmen zu entwickeln.
- Projekt Behavioral Based Safety (BBS): Die Peer-to-Peer-Beobachtung hilft, Barrieren für sicheres Verhalten zu identifizieren. Die anonyme Analyse der Ursachen unsicherer Handlungen ermöglicht es, systemische Probleme zu beseitigen, anstatt bestimmte Mitarbeiter zu bestrafen.
- Visualisierung und emotionale Einbindung: Der Einsatz von digitalen Panels, Corporate TV und unkonventionellen Formaten, wie Fotoprojekten mit Kindern von Mitarbeitern, schafft einen starken emotionalen Anreiz zur Einhaltung von Sicherheitsregeln.
Schnelle Benachrichtigung und Lessons Learned (Safety Alerts)
Die Präsentation befasst sich detailliert mit dem Prozess der Arbeit mit Safety Alerts – Warnungen vor Vorfällen, die sowohl bei Coca-Cola als auch bei Paulig verwendet werden. Dieses Instrument ist entscheidend, um die Wiederholung von Fehlern an anderen Standorten zu verhindern.
- Standardisiertes Format (One-Pager): Eine kurze und anschauliche Beschreibung des Vorfalls (was passiert ist, Ursachen nach der «5-Why»-Methode oder dem Ishikawa-Diagramm, Korrekturmaßnahmen) ermöglicht es, den Kern des Problems schnell an alle Beteiligten zu vermitteln.
- 24-Stunden-Regel: Paulig hat ein System zur Benachrichtigung über Unfälle innerhalb von 24 Stunden implementiert. Dies ermöglicht eine schnelle Neubewertung von Risiken an anderen Standorten und die Ergreifung notwendiger Maßnahmen, bevor ein ähnlicher Vorfall erneut auftritt.
- Digitalisierung des Prozesses: Die Nutzung mobiler Apps (z. B. des Insta-Audit-Systems) vereinfacht die Meldung von Risikobeobachtungen durch jeden Mitarbeiter und stellt die Datenerfassung in einem einheitlichen System für die anschließende Trendanalyse sicher.
Integration von Sicherheit in Geschäftsprozesse und Führung
Yulia Babenko betont, dass sich die Sicherheitskultur nicht auf das Produktionspersonal beschränken sollte. Bei Paulig ist Sicherheit in alle wichtigen Geschäftsprozesse integriert, und die Unfallrate ist in die KPIs jedes Mitarbeiters, vom CEO bis zum Verpacker, einbezogen.
Die Entwicklung von Führungskompetenzen und das Engagement des Managements für die Prinzipien von Safety First sind die Grundlage für den Aufbau eines effektiven Systems. Führung zeigt sich nicht in formaler Kontrolle, sondern im persönlichen Beispiel und der Bereitschaft, Probleme und Fehler offen zu diskutieren.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie baut man ein proaktives HSE-Kommunikationssystem in einem Unternehmen mit mehreren Standorten auf?
- Welche Instrumente zur Visualisierung und emotionalen Einbindung sind am effektivsten, um die Einstellung der Mitarbeiter zur Sicherheit zu ändern?
- Wie strukturiert und verteilt man Safety Alerts richtig, um wiederholte Vorfälle zu verhindern?
- Wie implementiert man ein System für verhaltensbasierte Sicherheitsaudits (BBS) und geht mit Barrieren für sicheres Verhalten um?
- Wie helfen digitale Tools, die Anzahl der Risikobeobachtungen von normalen Mitarbeitern zu erhöhen?