Risikomanagement durch Beseitigung der Grundursachen von Gefahrensituationen

Fallstudie
29 November 2024 🇷🇺 Originalsprache: русский

Von der Reaktion zur Prävention: Wie man Risiken vor ihrem Eintritt managt

In der modernen HSE-Praxis beschränkt sich das Risikomanagement oft auf die Reaktion auf bereits eingetretene Vorfälle. Die wahre Effizienz wird jedoch durch die Arbeit am unteren Teil der „Unfallpyramide“ erreicht – bei Gefahrensituationen und Handlungen, die noch nicht zu Verletzungen geführt haben. In ihrem Vortrag erläutert Irina Gnezdilova, Leiterin der HSE-Abteilung bei Gazprom Energo, einen praktischen Ansatz zum Risikomanagement durch eine tiefgehende Analyse der Grundursachen von Gefahrensituationen.

Die Referentin zeigt am Beispiel ihres Unternehmens, wie der Übergang von der formalen Beseitigung von Nichtkonformitäten zur systematischen Ursachenanalyse es ermöglicht, null Unfälle (Ziel Null) ohne erhebliche zusätzliche finanzielle Investitionen zu erreichen, indem bereits vorhandene Daten und Ressourcen genutzt werden.

Datenquellen für die Analyse von Gefahrensituationen

Für ein effektives Risikomanagement ist es notwendig, Informationen über potenziell gefährliche Ereignisse aus verschiedenen Quellen zu sammeln. Im Unternehmen wurde ein Datenerfassungssystem aufgebaut, das Folgendes umfasst:

  • Ergebnisse von Audits des HSE-Managementsystems, bei denen Nichtkonformitäten dokumentiert werden.
  • Überprüfungen von Videoaufzeichnungen bei Arbeiten mit erhöhtem Risiko, die fehlerhafte Handlungen des Personals aufdecken.
  • Meldungen von Mitarbeitern über die HSE-Hotline.
  • Ergebnisse von verhaltensbasierten Sicherheitsaudits (BBS).
  • Überprüfungen durch interne Kontrollorgane.

Die Erfassung dieser Daten ist nur der erste Schritt. Der Hauptwert liegt in der anschließenden Analyse jeder dokumentierten Situation.

Methodik der Grundursachenanalyse

Der Vortrag beleuchtet detailliert den Prozess der Arbeit mit erkannten Gefahrensituationen. Anstelle einer oberflächlichen Behebung (z. B. durch außerplanmäßige Unterweisungen) wird die Methode der Grundursachenanalyse angewendet, am häufigsten die „5-Why“-Methode oder die Barriereanalyse.

Dieser Ansatz erfordert einen bestimmten Reifegrad der Sicherheitskultur im Unternehmen. Es ist wichtig, eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen, in der die Mitarbeiter bereit sind, die Ursachen von Mängeln offen zu diskutieren und eine kritische Selbsteinschätzung vorzunehmen. Für die erfolgreiche Einführung des Instruments organisierte das Unternehmen interne Schulungen für Schlüsselmitarbeiter zu den Methoden der Grundursachenanalyse.

Praktische Ergebnisse der Einführung des Ansatzes

Die Referentin hebt mehrere wesentliche Vorteile der detaillierten Arbeit mit Grundursachen hervor:

  • Systematischer Blick auf Probleme: Die Analyse zeigt, dass sich die Grundursachen isolierter Gefahrensituationen oft wiederholen (im Unternehmen wurden etwa 15-20 Basiseinheiten identifiziert).
  • Gezielte Ressourcenverteilung: Maßnahmen zum Risikomanagement werden punktgenau und auf reale Probleme ausgerichtet, anstatt nur formale Anforderungen zu erfüllen.
  • Transformation der Schulung: Die Identifizierung von Wissenslücken führt zur Aktualisierung von Schulungsprogrammen, zur Erstellung praktischer Aufgaben auf der Grundlage realer Videoaufzeichnungen gefährlicher Handlungen und zur Durchführung gezielter Aufklärungssitzungen zu neuen Vorschriften.
  • Einbindung von Führungskräften: Führungskräfte aller Ebenen werden in den Prozess der Beseitigung von Grundursachen einbezogen, da sie für die systematische Lösung des Problems in ihren Bereichen verantwortlich sind.
  • Verbesserung lokaler Vorschriften: Die Analyse deckt häufig Lücken oder mehrdeutige Formulierungen in internen Dokumenten auf, was deren Überarbeitung initiiert.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie organisiert man die Erfassung und Analyse von Daten zu Gefahrensituationen aus verschiedenen Quellen?
  • Warum ist das Management des unteren Teils der „Unfallpyramide“ effektiver als die Reaktion auf Vorfälle?
  • Wie führt man die Methode der Grundursachenanalyse bei der Arbeit mit Nichtkonformitäten und Mikrotraumata ein?
  • Wie transformiert man das Schulungssystem für das Personal auf der Grundlage der identifizierten Grundursachen gefährlicher Handlungen?
  • Wie bindet man Linienmanager in den Prozess der systematischen Risikobeseitigung am Arbeitsplatz ein?
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