Die Entwicklung einer Sicherheitskultur wird oft mit margenstarken Branchen wie dem Öl- und Gassektor in Verbindung gebracht. Die Erfahrung der PAO "Juschuralskaja gorno-pererabatywajuschtschaja kompanija" (Marke "Ackermann Cement") beweist jedoch, dass weitreichende Veränderungen auch in historischen Betrieben mit etablierten Prozessen möglich sind. Im Rahmen des Webinars analysiert Nikita Wildt detailliert den Weg der Transformation des HSE-Managementsystems in der Zementproduktion, der gemeinsam mit Beratern von Ernst & Young umgesetzt wurde.
Der Referent merkt an, dass das Unternehmen zu Beginn des Projekts die gesetzlichen Anforderungen vollständig erfüllte und die Prüfungen der Aufsichtsbehörden erfolgreich bestand. Das System wies jedoch eine Reihe wesentlicher Einschränkungen auf:
Auf der Grundlage der Auditergebnisse wurde eine einjährige Roadmap entwickelt, die eine schrittweise Einführung neuer Initiativen vorsah, beginnend mit der Überarbeitung der Basisdokumente.
Ein Schlüsselfaktor für den Erfolg war die Führung durch das Top-Management. Der Generaldirektor bezeichnete persönlich das Leben und die Gesundheit der Mitarbeiter als den wichtigsten Wert des Unternehmens. Die neue HSE-Richtlinie basiert auf drei Prinzipien: Verweigerung der Arbeit unter unsicheren Bedingungen, das Recht jedes Einzelnen, die Arbeit zu stoppen, und das Verständnis, dass eine sichere Produktion eine effiziente Produktion ist.
In der Präsentation wird der Prozess der Erstellung der "12 lebenswichtigen Regeln" detailliert betrachtet. Wichtig ist, dass diese Regeln von den Mitarbeitern selbst in Fokusgruppen vorgeschlagen und anschließend strukturiert und visualisiert wurden. Sie decken grundlegende Anforderungen ab: von der obligatorischen Verwendung von PSA und Arbeitsfreigaben bis hin zur Verwendung von Sicherheitsgurten in Fahrzeugen. Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie die strikte Einhaltung der Gurtpflicht zum Ausgangspunkt für eine Änderung der Einstellung zu Regeln im Allgemeinen wurde.
Ein wichtiger Schritt war die Einführung eines Verfahrens zur Untersuchung von Mikroverletzungen. Der Referent betont, dass das Hauptziel dieses Prozesses nicht die Bestrafung, sondern die Verhinderung schwerwiegenderer Vorfälle ist. Den Mitarbeitern wird garantiert, dass es keine Sanktionen für die Offenlegung von Informationen über Mikroverletzungen gibt, selbst wenn diese auf Regelverstöße zurückzuführen sind. Dies ermöglichte den Aufbau eines Systems zur Ursachenanalyse und zur Entwicklung von Korrekturmaßnahmen.
Parallel dazu wurde eine groß angelegte Kampagne zur Risikobewertung mit der "What If"-Methode (Fünf-Warum) gestartet. Innerhalb von sechs Monaten wurden Risikobewertungskarten für alle Arbeitsvorgänge entwickelt, die mehr als 2000 Mitarbeiter abdecken. Maßnahmen zur Risikominderung werden nach dem SMART-Prinzip formuliert, was ihre Konkretheit und Machbarkeit gewährleistet.
Besonderes Augenmerk wurde im Projekt auf die Zusammenarbeit mit Auftragnehmern gelegt. Während der geplanten Instandhaltung arbeiteten Berater und HSE-Spezialisten rund um die Uhr vor Ort und führten gemeinsame Audits und Diskussionen mit den Leitern der Auftragnehmer durch. Dies führte zur Schaffung einer klaren Interaktionsordnung, die fünf Kontrollstufen umfasst.
Zur Automatisierung der Prozesse wurden Checklisten eingeführt, mit denen Meister und Bereichsleiter den Zustand der Arbeitsplätze schnell bewerten können. Für die Zukunft ist die Einführung der mobilen App "Ackermann Sicherheit" geplant, um jeden Mitarbeiter in den Risikomanagementprozess einzubeziehen.
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