Das HSE-Management von Fremdfirmen ist eine der komplexesten Aufgaben für jedes Unternehmen. In der Regel ist das Niveau der Sicherheitskultur bei den eigenen Mitarbeitern höher als bei den beauftragten Fremdfirmen, die ihre eigene Mentalität und eigene Ansätze zum Arbeitsschutz mitbringen. In diesem Webinar analysieren die Referenten Irina Tsvetkova und Nikita Wildt praktische Instrumente zur Integration von Fremdfirmen in das unternehmerische Sicherheitssystem, teilen gewonnene Erkenntnisse und zeigen, wie man ein transparentes Bewertungs- und Kontrollsystem aufbaut.
Der Referent beleuchtet detailliert den Prozess der Planung von Vertragsbeziehungen und die Wahl der Vertragsart in Abhängigkeit von der Spezifik der erbrachten Dienstleistungen. Im Unternehmen werden drei Hauptmodelle unterschieden:
Diese Unterteilung ermöglicht es, angemessene Anforderungen an verschiedene Kategorien von Fremdfirmen zu stellen und diejenigen, deren Tätigkeit keine hohen Risiken birgt, nicht mit übermäßigen Prüfungen zu überlasten.
Ein wichtiges Element des Systems ist das Verfahren zur Anwendung von Audit-Checklisten. In der Ausschreibungsphase wird ein risikoorientierter Ansatz verfolgt: Die Wahl der Checkliste hängt von der Häufigkeit der Dienstleistungserbringung, der potenziellen Schwere möglicher Vorfälle und der Anzahl der eingesetzten Personen ab. Die Bewertung umfasst nicht nur finanzielle Kennzahlen, sondern auch eine tiefgehende Analyse des Sicherheitssystems der Fremdfirma. Das Vorhandensein kritischer Abweichungen (z. B. Verletzung grundlegender gesetzlicher Anforderungen) kann ein blockierender Faktor für die Zulassung zur Ausschreibung sein.
In der Präsentation wird der Prozess der Zulassung von Fremdfirmen auf das Werksgelände detailliert betrachtet. Der Referent betont, dass es sinnlos ist, die Einhaltung von Regeln zu fordern, wenn man den Menschen nicht das nötige Wissen vermittelt. Daher wird die Einführungsunterweisung durch eine umfassende Schulung zu den grundlegenden Sicherheitsstandards des Unternehmens ergänzt.
Das wichtigste Instrument zur Kontrolle des Wissenserwerbs ist ein obligatorischer Test. Die Fremdfirma wird erst zur Arbeit zugelassen, wenn jeder Mitarbeiter die Fragen der Checkliste richtig beantwortet hat. Dabei beschränkt sich der Prozess nicht auf ein formales Bestehen: Bei Fehlern wird das Material unter Beteiligung eines HSE-Spezialisten und des Bauleiters der Fremdfirma zusätzlich durchgearbeitet.
Für die tägliche Kontrolle der Arbeitsausführung wird ein automatisiertes System (SUP/LITUM) verwendet, in das die Audit-Checklisten hochgeladen sind. Dies ermöglicht:
Der Referent zeigt an einem Beispiel, dass ein effektives Fremdfirmenmanagement ohne deren Einbindung in die unternehmerische Sicherheitskultur unmöglich ist. Die Sicherheitsindikatoren der Fremdfirmen sind in die allgemeinen KPIs des Unternehmens integriert. Führungskräfte von Fremdfirmen werden zu Leadership-Schulungen eingeladen, nehmen an HSE-Tagen und gemeinsamen Besprechungen teil, bei denen die Arbeitsergebnisse unter Beteiligung der obersten Werksleitung diskutiert werden. Dies schafft ein gemeinsames Verständnis für die Bedeutung sicherer Arbeit.
Von besonderem Wert ist die ehrliche Analyse von Fehlern. Der Referent teilt einen Fall, bei dem während der Pandemie ein Teil der HSE-Spezialisten und Koordinatoren ins Homeoffice versetzt wurde, während die Fremdfirmen ihre Tätigkeit auf dem Gelände fortsetzten. Die verringerte Kontrolle führte zu einem Anstieg der Unfallzahlen. Diese Lektion zwang das Unternehmen, die Ressourcenverteilung zu überdenken, den Fokus auf Audits zu verstärken und die Schulung für alle Mitarbeiter von Fremdfirmen zu 100 % obligatorisch zu machen.
Nikita Wildt ergänzt das Thema und berichtet über Erfahrungen bei saisonalen Generalüberholungen, wenn sich gleichzeitig Hunderte von Fremdfirmen unterschiedlicher Profile auf dem Gelände befinden. Unter solchen Bedingungen wird die direkte Kommunikation zum wichtigsten Instrument: die gemeinsame Analyse von Arbeitsausführungsplänen und die Identifizierung von Risiken im Dialog mit den Führungskräften und Ingenieuren der Fremdfirmen. Das unterschiedliche Niveau der Sicherheitskultur erfordert einen differenzierten Ansatz für jede Gruppe von Auftragnehmern.
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