Von der Balance zum Ergebnis: Warum Sicherheit nicht nur Sache des Auftragnehmers ist
Die Interaktion zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer in Fragen der Arbeitssicherheit ist ein Thema, das nicht an Brisanz verliert. Traditionell liegt der Fokus auf der Kontrolle der Auftragnehmer selbst. Rustam Asisow, Leiter der Abteilung für die Zusammenarbeit mit Auftragnehmern bei der OTEKO AG, schlägt jedoch vor, den Schwerpunkt zu verlagern. In seinem Vortrag analysiert er detailliert die Rolle des Auftraggebers, genauer gesagt des Projektleiters, bei der Gewährleistung der Sicherheit auf der Baustelle.
Der Redner betont, dass ohne die aktive Beteiligung und Motivation des Projektbüros eine Entwicklung des Auftragnehmers praktisch unmöglich ist. Wenn die Baustelle per Übergabeprotokoll übergeben wird und der Auftraggeber kein Interesse an Fragen des Arbeitsschutzes zeigt, kümmert sich der Auftragnehmer selten selbst um die Sicherheit. Dies führt zu sinkenden Ratings, der Vertuschung von Vorfällen und folglich zu einer höheren Wahrscheinlichkeit schwerer Unfälle.
Das Zielmodell des Projektleiters: Von der Kontrolle zum Mentoring
Die vorrangigen Aufgaben eines Projektleiters sind Termine, Budget und Qualität. Der Redner zeigt jedoch an einem Beispiel, dass das Ignorieren von Aspekten des Arbeitsschutzes und der industriellen Sicherheit (HSE) während der Projektdurchführung in Zukunft zu ernsthaften finanziellen und Reputationsverlusten führen kann. Nachbesserungen aufgrund von Nichteinhaltung von Lärm-, Beleuchtungs- oder Emissionsnormen sind deutlich teurer als präventive Kontrollen.
Um ein Gleichgewicht zwischen Produktionskennzahlen und Sicherheit zu schaffen, wird ein Zielmodell für den Projektleiter vorgeschlagen. Es umfasst:
- Beherrschung der Elemente des Sicherheitsmanagementsystems: Bewusste Durchführung von Audits und Demonstration von Führung.
- Meldung von Beinaheunfällen: Schaffung eines Umfelds, in dem der Auftragnehmer keine Angst hat, Mikrotraumata und Vorfälle zu melden.
- Analyse und Projektion von Erfahrungen: Untersuchung von Vorfällen auf ähnlichen Baustellen, um ähnliche Fälle bei sich selbst zu verhindern.
- Priorisierung der Sicherheit bei Beschaffungen und Projektänderungen: Vermeidung von Abweichungen vom Pflichtenheft, die das Sicherheitsniveau senken.
- Mentoring: Durchführung von Mini-Seminaren und Schulungen für die Arbeitsgruppe und die Auftragnehmer.
Schritte zur Einführung von Motivation: Wie man KPIs zum Laufen bringt
Damit sich der Projektleiter aktiv in Sicherheitsfragen einbringt, ist ein durchdachtes Motivationssystem erforderlich. Im Vortrag wird der Algorithmus für dessen Einführung detailliert betrachtet:
- Entwicklung ausgewogener Kennzahlen: Abkehr von rein reaktiven Metriken (wie LTIFR), die die Vertuschung von Vorfällen provozieren, zugunsten proaktiver Kennzahlen.
- Monitoring-Phase: Testen der Kennzahlen ohne Auswirkung auf den Bonus. Dies ermöglicht es zu bewerten, wie realistisch der Leiter die ausgewählten Metriken beeinflussen kann, und die Dynamik in Besprechungen zu demonstrieren.
- Aufnahme in die KPIs: Nach Bestätigung der Wirksamkeit werden die Kennzahlen in das Bonussystem integriert.
- Synchronisierung mit den Supervisoren: Angleichung der KPIs von Auftraggeber und Kontrollpersonen (Supervisoren), um ein einheitliches Team zu schaffen, das auf ein gemeinsames Ergebnis hinarbeitet.
Reaktive und proaktive Kennzahlen: Was bewerten wir?
Der Redner analysiert konkrete Metriken, die zur Bewertung der Arbeit des Projektbüros verwendet werden. In der ersten Phase werden grundlegende reaktive Kennzahlen eingeführt:
- Keine Vorfälle mit schweren Folgen.
- Anzahl der Audits pro Arbeitserlaubnis (Kontrolle von Arbeiten mit erhöhtem Risiko).
- Übereinstimmung der installierten Ausrüstung mit dem Pflichtenheft und den Sicherheitsanforderungen bei der Abnahme.
Mit der Entwicklung des Systems werden proaktive Kennzahlen hinzugefügt, die auf die Einbindung des Auftragnehmers abzielen:
- Anzahl der Audits, die vom Auftragnehmer selbst und seinem Leiter durchgeführt wurden.
- Rechtzeitige Umsetzung von Korrekturmaßnahmen.
- Bewertung der Sicherheit des Bauobjekts (Einstufung nach Zonen: rot, gelb, grün).
- Teilnahme des Auftragnehmers an unternehmensinternen Sicherheitsveranstaltungen.
Eine wichtige Nuance: Bei einem Notfall (z. B. einem Brand) sollte die Kennzahl nicht vollständig auf null gesetzt werden, um den Projektleiter nicht zu demotivieren. Proaktive Metriken ermöglichen es, einen Teil des Bonus zu erhalten und stimulieren die weitere Arbeit zur Verbesserung der Situation.
Was Sie in diesem Webinar lernen werden:
- Wie man den Fokus der Verantwortung für die Sicherheit vom Auftragnehmer auf den Projektleiter verlagert.
- Welche Schritte erforderlich sind, um Sicherheits-KPIs für das Projektbüro reibungslos einzuführen.
- Wie man reaktive und proaktive Kennzahlen ausbalanciert, um die Vertuschung von Vorfällen zu vermeiden.
- Wie man die Ziele von Auftraggeber und Supervisoren auf der Baustelle synchronisiert.
- Wie man das Management des Auftragnehmers in regelmäßige Audits und Sicherheitskontrollen einbindet.