Die Digitalisierung von Kontroll- und Aufsichtsfunktionen ist ein natürlicher Entwicklungsschritt für große Industrieunternehmen. Wenn die Infrastruktur Tausende von Objekten umfasst, werden traditionelle Methoden der Datenerfassung und -analyse ineffizient. In seinem Vortrag berichtet Wassili Oreschkow, stellvertretender Generaldirektor für Energieeffizienz und Energieaufsicht bei „Transneftenergo“, über den Weg des Unternehmens von isolierten Papierakten zur Schaffung eines umfassenden automatisierten Systems der behördlichen Energieaufsicht (AS SWEN).
Der Referent analysiert detailliert die Evolution des Systems: von der Einführung grundlegender Checklisten (technologischer Karten) für alle Arten von Energieanlagen bis hin zur Schaffung von Modulen zur Erfassung von Ausfällen und zur Kontrolle der Umsetzung von Korrekturmaßnahmen. Eine wichtige Managemententscheidung war die Festlegung einer strengen Regelung: Für die Behebung jeder Beanstandung sind genau 10 Arbeitsschichten vorgesehen. Eine Überschreitung dieser Frist eskaliert das Problem automatisch auf die Ebene der Geschäftsführung, was eine hohe Ausführungsdisziplin gewährleistet.
Eine interessante Erkenntnis des Vortrags war die Analyse der Statistik der festgestellten Verstöße. Der Referent zeigt an einem Beispiel, wie die Einführung neuer Kontrollmodule (z. B. eines Blocks zur Erfassung von Ausfällen oder spezialisierter HSE-Checklisten) zu einem starken Anstieg der registrierten Vorfälle führte. Dieser Anstieg deutete jedoch nicht auf eine Verschlechterung der Situation in den Anlagen hin, sondern auf eine erhöhte Transparenz: Verborgene Probleme, die zuvor verschwiegen wurden, wurden sichtbar und handhabbar.
Dieser Ansatz ermöglichte es dem Unternehmen, langfristige Zielprogramme zur Modernisierung der Ausrüstung zu entwickeln. Beispielsweise wurde nach der Aufdeckung einer Reihe von Ausfällen bei Freileitungen entlang der Trassen eine umfassende außerplanmäßige Überprüfung durchgeführt, in deren Folge Maßnahmen zum Austausch und zur Reparatur der Infrastruktur bis zum Jahr 2026 entwickelt wurden.
Die COVID-19-Pandemie war eine ernsthafte Bewährungsprobe für das Energieaufsichtssystem, da sie den physischen Zugang der Inspektoren zu den Anlagen einschränkte. Der Vortrag beleuchtet detailliert die Erfahrungen mit der schnellen Umstrukturierung der Prozesse: Die Flexibilität der Architektur von AS SWEN ermöglichte es, innerhalb eines halben Jahres einen Mechanismus für Schreibtisch- (Fern-) Prüfungen einzuführen.
Durch die Nutzung von Daten aus angrenzenden Informationssystemen (technische Stromzählung, Überwachung der Ausrüstungsqualität) konnte das Unternehmen den Zustand der Projektdokumentation, der Reparaturpläne und die Einhaltung der HSE-Anforderungen aus der Ferne überwachen und so die Kontinuität der Aufsichtsfunktion unter strengen Einschränkungen aufrechterhalten.
Nachdem das Unternehmen eine riesige Datenmenge (über 60.000 Überprüfungen und 550.000 registrierte Verstöße) angesammelt hat, geht es nun zum nächsten Schritt über: der Schaffung des präventiven Systems Aspoints. Das Ziel der neuen Plattform ist es nicht nur, Vorfälle zu erfassen, sondern sie zu verhindern.
Der Referent analysiert die Schlüsselelemente des zukünftigen Systems: die Einführung von prädiktiven Analysen auf Basis der gesammelten Big Data, die Schaffung eines einheitlichen Aufgabenmanagers für alle Mitarbeiter und die Entwicklung eines umfassenden Personalmanagementmoduls (von Praktika bis zur Wissensüberprüfung durch eine interne Akademie). Besonderes Augenmerk wird auf die plattformübergreifende Nutzbarkeit und Mobilität der Lösungen gelegt.
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