Management by Objectives – ein wirksames Instrument zur Entwicklung der Sicherheitskultur

Fallstudie
17 Juni 2021 🇷🇺 Originalsprache: русский

Vom Aufgabenmanagement zum Management by Objectives

Die Entwicklung der Sicherheitskultur erfordert den Übergang von der strengen Kontrolle von Verfahren zur bewussten Erreichung von Ergebnissen. In seinem Vortrag untersucht Serik Mazhkenov, Kandidat der physikalisch-mathematischen Wissenschaften und Partner des globalen Konzepts Vision Zero, detailliert das Konzept des Management by Objectives als wirksames Instrument zur Transformation der Einstellung der Mitarbeiter zum HSE-Bereich. Der Redner betont, dass traditionelle Managementmethoden, die auf der Kontrolle von Aufgaben und Regeln basieren, oft nicht das erforderliche Maß an Mitarbeiterengagement gewährleisten.

Management by Objectives ist hingegen ergebnisorientiert und ermöglicht es, die Bemühungen aller Elemente des Organisationssystems zu bündeln. Das Ziel fungiert als systembildender Faktor, der die Entwicklungsrichtung vorgibt und die Unternehmensphilosophie prägt. Es ist wichtig zu verstehen, dass das strategische Ziel "Null Unfälle" nicht nur eine Zahl in einem Bericht ist, sondern die Schaffung eines Umfelds, das über einen langen Zeitraum hinweg nachhaltig sicheres Verhalten erzeugt.

Zustandsziele und Treiberziele: Wie man zufällige Ergebnisse vermeidet

Der Redner analysiert die kritische Unterteilung von Zielen in zwei Kategorien: Zustandsziele und Treiberziele. Zustandsziele (z. B. die LTIFR-Rate) beschreiben das gewünschte Ergebnis, geben aber kein Verständnis dafür, wie genau es erreicht wurde. Wenn sich ein Unternehmen nur auf sie verlässt, riskiert es, einen zufälligen Zusammenfluss von Umständen für einen systemischen Erfolg zu halten.

Um ein nachhaltiges Ergebnis zu gewährleisten, müssen Treiberziele verwendet werden – Indikatoren, die sich auf den Prozess des Übergangs in einen sicheren Zustand konzentrieren. Dies sind konkrete Maßnahmen: die Anzahl der festgestellten und behobenen Verstöße, die Teilnahme an Sicherheitsaudits, die Durchführung von Verhaltensgesprächen. Der Redner zeigt an einem realen Fallbeispiel, wie die aktive Identifizierung von Abweichungen (Risikojagd) direkt mit der Senkung der Unfallrate korreliert. Je mehr Verstöße in frühen Stadien erkannt und behoben werden, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich zu Unfällen entwickeln.

Kaskadierung von Zielen und Mitarbeiterengagement

Die Wirksamkeit des Management by Objectives hängt direkt von der richtigen Kaskadierung ab – der Vermittlung globaler Ziele an jede Abteilung und jeden Mitarbeiter. Die Normierung von Zielindikatoren (z. B. auf 100.000 Arbeitsstunden) ermöglicht eine objektive Bewertung des Beitrags jedes Bereichs zum Gesamtergebnis. Der Vortrag untersucht detailliert den Mechanismus der Verknüpfung der Erreichung von Treiberzielen mit dem Motivationssystem, was den Prozess für die Mitarbeiter transparent und verständlich macht.

Besonderes Augenmerk wird auf die Bildung kollektiver Verantwortung gelegt. Wenn die Erreichung von Zielindikatoren die Leistungsbewertung des gesamten Teams beeinflusst, beginnen die Mitarbeiter, die Handlungen ihrer Kollegen aktiver zu kontrollieren und unsicheres Verhalten zu unterbinden. Dies fördert die Entwicklung von Offenheit und Vertrauen und verwandelt die Mitarbeiter von passiven Ausführenden in aktive Teilnehmer am Sicherheitsprozess.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Was ist der grundlegende Unterschied zwischen Management by Objectives und traditioneller Verfahrenskontrolle?
  • Wie kombiniert man Zustandsziele und Treiberziele richtig, um eine nachhaltige Senkung der Unfallrate zu erreichen?
  • Wie kaskadiert man HSE-Ziele auf die Ebene des Linienpersonals und verknüpft sie mit dem Motivationssystem?
  • Warum ist es wichtig, Beinaheunfälle (Near-Misses) genauso gründlich zu untersuchen wie tatsächliche Unfälle?
  • Wie beeinflusst die Einführung kollektiver Verantwortung die Bildung einer Sicherheitskultur in Teams?
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Kommentare 6

Serik Mazhkenov
Serik Mazhkenov vor 4 Jahren

Sapabek Kuzhemuratov:
Ist es nicht an der Zeit, den Arbeitsschutz (Management, Risiken, Engagement...) auf den Prinzipien der Philosophie "Kamasutra" aufzubauen — Arbeitgeber + Arbeitnehmer?

Antwort: Das ist eine sehr gute Frage und hängt aus systemtheoretischer Sicht mit der Überprüfung der grundlegenden Prinzipien zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels durch die Beteiligten zusammen. Heute basieren die Beziehungen in den meisten Organisationen auf dem Prinzip "System-Werkzeug", bei dem der Mensch ein Zahnrad (ein Werkzeug, ein Mechanismus auf biologischer Basis) im Produktionsprozess ist, dessen Hauptaufgabe die präzise Befolgung von Anweisungen ist. Es gibt jedoch ein anderes Beziehungsparadigma, das auf dem Prinzip "System-System" basiert. Hier agiert der Mensch als gleichberechtigter Teilnehmer am Produktionsprozess, der eigene Interessen und Ziele hat, deren Erreichung mit den Zielen und Interessen der Organisation in Einklang steht. Die populäre Idee der "Teal-Organisationen" basiert auf diesem Prinzip der harmonischen Abstimmung von Interessen und Zielen der Parteien. Die Praxis zeigt, dass eine erfolgreiche Entwicklung einer Sicherheitskultur ohne die aktive, bewusste und gleichberechtigte (System-System) Beteiligung aller Mitarbeiter der Organisation an den Produktionsaktivitäten unmöglich ist.

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Serik Mazhkenov
Serik Mazhkenov vor 4 Jahren

Ivan Bobrov
Die Anzahl der festgestellten Verstöße ist ein reaktiver Indikator. Sollte er als persönliches oder kollektives Treiberziel verwendet werden? Ich denke, er kann nur als Zustandsziel verwendet werden.

Antwort: Nicht ganz richtig. Jede Abteilung hat die Möglichkeit, den Prozess der Feststellung von Verstößen regelmäßig zu überwachen (täglich, wöchentlich usw.). Wenn prognostiziert wird, dass dieser Indikator bis zu einem bestimmten Zeitraum nicht erreicht wird, hat der Abteilungsleiter die Möglichkeit, die Mitarbeiter zur Erreichung zu mobilisieren. In diesem Sinne gehört dieser Indikator zu den Treiberzielen.

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Serik Mazhkenov
Serik Mazhkenov vor 4 Jahren

Ilya Kolomiets
Bezüglich Treiberziele — ich möchte Ihre Meinung zu Indikatoren im Zusammenhang mit sogenannten Beinahe-Unfällen erfahren, bei denen ein Vorfall fast passiert wäre, die Ursachen, Gefahren und Risiken jedoch offensichtlich sind. Wie klar ist der Nutzen der Erfassung solcher "Beinahe-Unfälle" für die Statistikbildung und die anschließende Ergreifung von Maßnahmen aus Ihrer Sicht?

Antwort: Ein Beinahe-Unfall unterscheidet sich von allen anderen Vorfällen nur durch das Fehlen von Schaden (Glück gehabt!). Das Fehlen von Schaden sollte die Arbeitsschutzabteilung nicht davon abhalten, die Ursachen des Vorfalls vollständig zu untersuchen. Diese Chance muss voll genutzt werden. Wird dies nicht getan, wird sich der Vorfall wiederholen, aber mit deutlich schwerwiegenderen Folgen.

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Serik Mazhkenov
Serik Mazhkenov vor 4 Jahren

Rustem Kalimullin:
Was tun Sie, wenn das Nullziel in Worten akzeptiert wird, aber in der Praxis kein hohes Engagement zu beobachten ist?

Antwort: Dies bedeutet einfach, dass die Organisation nur gut entwickelte Zustandsziele hat, aber keine Treiberziele, was bedeutet, dass Ausführende und Manager keine Antwort auf die Frage haben: Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um das gesetzte Ergebnis zu erreichen. Damit Management by Objectives tatsächlich funktioniert, muss man nicht nur Zustandsziele, sondern auch Treiberziele entwickeln.

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Serik Mazhkenov
Serik Mazhkenov vor 4 Jahren

Ivan Bobrov,
Welche Rolle spielt die Arbeitsschutzabteilung im Zielsetzungssystem?

Antwort: Die Arbeitsschutzabteilung sollte Initiator und Methodiker bei der richtigen Festlegung und Förderung von Arbeitsschutz-Zielkennzahlen sein. Für eine erfolgreiche Erreichung ist es wichtig, dass die Arbeitsschutzabteilung eine zeitnahe Information und Erklärung der Bedeutung des Management by Objectives und seiner Mechanismen auf allen Ebenen des Unternehmens sicherstellt: von der Geschäftsleitung bis zu den Ausführenden. Die Arbeitsschutzabteilung sollte auch die Überwachung der ordnungsgemäßen Erreichung der Zielkennzahlen gewährleisten und ein effektives Feedback für deren rechtzeitige Bewertung und Analyse zur Treffung wirksamer Korrekturentscheidungen etablieren.

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Serik Mazhkenov
Serik Mazhkenov vor 4 Jahren

Ivan Bobrov,
Welches wäre das optimale Gewicht der Arbeitsschutzziele in der Gesamtskala der Ziele über alle Bereiche hinweg (Qualität, Produktion usw.)?

Antwort: Das Gewicht der Arbeitsschutzziele sollte nicht geringer sein als das Gewicht der Kennzahlen in anderen Tätigkeitsbereichen. Die Begründung ist folgende: Qualitäts- und Produktionskennzahlen zielen auf die Effizienz des Unternehmensbetriebs (kurzfristig), während Indikatoren für sicheres Arbeiten in erster Linie auf die Lebensfähigkeit und Nachhaltigkeit des Unternehmensbetriebs langfristig ausgerichtet sind. Für ein Unternehmen ist eine erfolgreiche Leistung in allen Bereichen wichtig.

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