HSE-Monate – ein Instrument zur Gewohnheitsbildung für sicheres Arbeiten

Fallstudie
24 November 2022 🇷🇺 Originalsprache: русский

Von Formalismus zu bewusster Sicherheit: Warum thematische Monate nötig sind

Das Problem der geringen Mitarbeiterbeteiligung bei HSE-Themen ist vielen Produktionsunternehmen bekannt. Mitarbeiter empfinden Sicherheitsanforderungen oft als von oben aufgezwungene Formalität, und Korrekturmaßnahmen für festgestellte Verstöße werden monatelang ignoriert. Auf der Suche nach einer Lösung hat das Unternehmen „OZNA Engineering“ seinen Ansatz zur internen Kommunikation komplett überarbeitet. Die stellvertretende Generaldirektorin für HSE, Elena Arkova, teilt praktische Erfahrungen bei der Einführung eines Projekts für thematische HSE-Monate, das es ermöglichte, die Einhaltung von Regeln in eine feste Gewohnheit zu verwandeln.

Anstatt traditionelle, einmalige „Sicherheitswochen“ oder jährliche Unterweisungen durchzuführen, verteilte das Unternehmen die Hauptrisiken auf alle 12 Monate des Jahres. Diesem Ansatz liegt ein psychologisches Prinzip zugrunde: Um eine feste Gewohnheit zu bilden, sind mindestens 21 Tage erforderlich. Das Eintauchen der Mitarbeiter in ein bestimmtes Thema für einen ganzen Monat bietet ausreichend Zeit für Information, praktische Schulung und die anschließende Festigung sicheren Verhaltens am Arbeitsplatz.

Projektarchitektur: Wie thematische Kampagnen funktionieren

Jeder Monat ist einem bestimmten Bereich gewidmet, dessen Auswahl durch die Analyse der Vorfallstatistik im internen Erfassungssystem und durch saisonale Faktoren bestimmt wird. In der Präsentation wird der Algorithmus zur Umsetzung solcher Kampagnen detailliert betrachtet, wobei jede Maßnahme einen konkreten praktischen Nutzen bringt.

  • Transportsicherheit: Als Reaktion auf zunehmende Vorfälle führte das Unternehmen gegenseitige Beobachtungskarten „Fahrer-Beifahrer“ ein. Dies gab den Mitarbeitern ein legitimes Instrument zur Erfassung von Verstößen (nicht angelegte Sicherheitsgurte, Telefonieren), was zu einem drastischen Rückgang gefährlichen Verhaltens am Steuer von Firmenfahrzeugen führte.
  • Richtige Verwendung von PSA: Anstelle trockener Unterweisungen wurden spezialisierte Lieferanten von Arbeitskleidung in die Schulung einbezogen. Die Trainings fanden direkt in den Produktionsstätten statt. Mitarbeiter, die bei der Verwendung von PSA eine Vorbildfunktion zeigten, erhielten Belohnungen und begannen, das Verhalten ihrer Kollegen selbstständig zu korrigieren.
  • Sicherheit bei Höhenarbeiten und Be- und Entladearbeiten: Zur Einübung praktischer Fähigkeiten wurden hochspezialisierte Fachkräfte (z. B. Industriekletterer) eingeladen. Die Schulung fand mit minimaler Unterbrechung der Produktion an realen Anlagen des Unternehmens statt, was es ermöglichte, spezifische Risiken und Methoden zur sicheren Aufgabenerfüllung anschaulich zu analysieren.

Messbare Ergebnisse und Kulturwandel

Die Referentin zeigt am Beispiel des Unternehmensportals, wie sich die Einstellung der Belegschaft zu Sicherheitsthemen verändert hat. Wurde die Initiative zu Beginn des Projekts noch mit Misstrauen betrachtet, so hat sich die Zahl der registrierten potenziell gefährlichen Ereignisse und Verbesserungsvorschläge bis zum Jahresende mehr als verdoppelt. Die wichtigste Errungenschaft war der Abbau der Barriere zwischen der HSE-Abteilung und den Arbeitern: Die Distanz wich einem vertrauensvollen Dialog und der Bereitschaft, Probleme offen zu diskutieren.

Eine besondere Rolle spielte dabei das System der positiven Motivation. Die Praxis hat gezeigt, dass aufrichtige Dankbarkeit der Führungskraft für sicheres Arbeiten und kleine Erinnerungsgeschenke viel effektiver zur Einbindung beitragen als ausschließlich strafende Maßnahmen.

Was Sie in diesem Webinar lernen:

  • Wie baut man ein Jahresprogramm für thematische HSE-Monate mit minimalem Budget auf?
  • Welche Instrumente helfen, Mitarbeiter in die eigenständige Erfassung potenziell gefährlicher Ereignisse einzubinden?
  • Wie organisiert man eine effektive Schulung zu sicheren Arbeitsmethoden direkt in der Produktionsstätte?
  • Warum liefert das System der gegenseitigen Kontrolle „Fahrer-Beifahrer“ bessere Ergebnisse als Standardprüfungen?
  • Wie nutzt man positive Motivation, um vertrauensvolle Beziehungen zwischen Arbeitern und HSE-Spezialisten aufzubauen?
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