Traditionelle Sicherheitskennzahlen wie die LTIFR (Lost Time Injury Frequency Rate) zeigen das Ergebnis erst im Nachhinein. Wenn die Statistik für schwere und tödliche Unfälle zu steigen beginnt, wie es im Maschinenbaubereich des Staatskonzerns Rosatom der Fall war, wird deutlich: Reaktive Maßnahmen reichen nicht aus. Der Referent analysiert die Erfahrungen bei der Einführung proaktiver Kennzahlen, die es ermöglichen, nicht die Folgen, sondern die Leistungsfähigkeit des HSE-Managementsystems in Echtzeit zu bewerten.
In dem Vortrag wird ein Ansatz detailliert betrachtet, bei dem Sicherheit nicht mehr ausschließlich Aufgabe der HSE-Abteilung ist, sondern zu einer Teamarbeit wird, die Führungskräfte aller Ebenen einbezieht.
Zur Bewertung der Wirksamkeit der Unfallverhütung wurde ein zusammengesetzter KPI entwickelt, der in zwei Schlüsselbereiche unterteilt ist:
Besonderes Augenmerk legt der Referent auf den Umgang mit Mikrotraumata. In der Maschinenbauproduktion verbergen Arbeiter oft kleine Verletzungen. Das Ziel des proaktiven Ansatzes ist es, ein Umfeld des Vertrauens zu schaffen, in dem die Meldung eines Mikrotraumas nicht als Grund für eine Bestrafung, sondern als Chance zur Verhinderung eines schweren Vorfalls wahrgenommen wird. Die Untersuchung solcher Fälle ermöglicht es, systemische Ursachen zu identifizieren, wie z. B. die Notwendigkeit, die Verwendung von Teppichmessern in Aufenthaltsräumen zu verbieten oder bestimmte Geräte zu modernisieren.
Verhaltensbasierte Sicherheitsaudits (BBS) oder „Sicherheitsdialoge“ gelten als zentrales Instrument zur Einholung von Feedback. Die Qualität von BBS hängt direkt von der Fähigkeit der Linienmanager ab, mit ihren Untergebenen zu kommunizieren. Zu diesem Zweck werden spezielle Schulungen und „engagierende Unterweisungen“ eingeführt, die den Meistern beibringen, Aufgaben richtig zu delegieren und Feedback zu erhalten.
Die manuelle Erfassung und Analyse von Daten zu BBS, Inspektionen und Mikrotraumata ist ein zeitaufwändiger Prozess, der Managemententscheidungen verlangsamt. Der Referent zeigt am Beispiel einer in Entwicklung befindlichen Software, wie die Digitalisierung Folgendes ermöglicht:
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