Einführung proaktiver Kennzahlen zur Unfallverhütung

Fallstudie
21 November 2023 🇷🇺 Originalsprache: русский

Vom reaktiven zum proaktiven Ansatz: Warum die Unfallstatistik neue Lösungen erfordert

Traditionelle Sicherheitskennzahlen wie die LTIFR (Lost Time Injury Frequency Rate) zeigen das Ergebnis erst im Nachhinein. Wenn die Statistik für schwere und tödliche Unfälle zu steigen beginnt, wie es im Maschinenbaubereich des Staatskonzerns Rosatom der Fall war, wird deutlich: Reaktive Maßnahmen reichen nicht aus. Der Referent analysiert die Erfahrungen bei der Einführung proaktiver Kennzahlen, die es ermöglichen, nicht die Folgen, sondern die Leistungsfähigkeit des HSE-Managementsystems in Echtzeit zu bewerten.

In dem Vortrag wird ein Ansatz detailliert betrachtet, bei dem Sicherheit nicht mehr ausschließlich Aufgabe der HSE-Abteilung ist, sondern zu einer Teamarbeit wird, die Führungskräfte aller Ebenen einbezieht.

Struktur proaktiver Kennzahlen: Engagement und Leistungsfähigkeit des HSE-Managementsystems

Zur Bewertung der Wirksamkeit der Unfallverhütung wurde ein zusammengesetzter KPI entwickelt, der in zwei Schlüsselbereiche unterteilt ist:

  • Engagement-Kennzahlen: Einreichen von Vorschlägen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Umsetzung dieser Vorschläge und Teilnahme des Personals an Maßnahmen zur Arbeitssicherheit. Dies motiviert die Mitarbeiter, Gefahren nicht nur zu erkennen, sondern auch Lösungen vorzuschlagen, und die Führungskräfte, schnell auf Initiativen von unten zu reagieren.
  • Leistungsfähigkeit des HSE-Managementsystems: Qualität der Risikobewertung, Untersuchung von Mikrotraumata und Durchführung von verhaltensbasierten Sicherheitsaudits (BBS). Der Fokus verlagert sich von der formalen Durchführung von Verfahren auf deren tatsächliche Wirksamkeit und Analysetiefe.

Mikrotraumata und BBS: Instrumente zur Erkennung verborgener Gefahren

Besonderes Augenmerk legt der Referent auf den Umgang mit Mikrotraumata. In der Maschinenbauproduktion verbergen Arbeiter oft kleine Verletzungen. Das Ziel des proaktiven Ansatzes ist es, ein Umfeld des Vertrauens zu schaffen, in dem die Meldung eines Mikrotraumas nicht als Grund für eine Bestrafung, sondern als Chance zur Verhinderung eines schweren Vorfalls wahrgenommen wird. Die Untersuchung solcher Fälle ermöglicht es, systemische Ursachen zu identifizieren, wie z. B. die Notwendigkeit, die Verwendung von Teppichmessern in Aufenthaltsräumen zu verbieten oder bestimmte Geräte zu modernisieren.

Verhaltensbasierte Sicherheitsaudits (BBS) oder „Sicherheitsdialoge“ gelten als zentrales Instrument zur Einholung von Feedback. Die Qualität von BBS hängt direkt von der Fähigkeit der Linienmanager ab, mit ihren Untergebenen zu kommunizieren. Zu diesem Zweck werden spezielle Schulungen und „engagierende Unterweisungen“ eingeführt, die den Meistern beibringen, Aufgaben richtig zu delegieren und Feedback zu erhalten.

Digitalisierung als Treiber proaktiver Sicherheit

Die manuelle Erfassung und Analyse von Daten zu BBS, Inspektionen und Mikrotraumata ist ein zeitaufwändiger Prozess, der Managemententscheidungen verlangsamt. Der Referent zeigt am Beispiel einer in Entwicklung befindlichen Software, wie die Digitalisierung Folgendes ermöglicht:

  • Daten online direkt von den Arbeitsplätzen zu erfassen.
  • Festgestellte Abweichungen automatisch nach der Risikomatrix zu verteilen.
  • Probleme für Führungskräfte zu visualisieren, sodass sie schnell auf eine Zunahme von Verstößen in bestimmten Bereichen (z. B. Nichtverwendung von PSA) reagieren können, bevor diese zu Verletzungen führen.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie entwickelt und implementiert man einen zusammengesetzten KPI zur Unfallverhütung für Führungskräfte?
  • Welche Instrumente helfen, Mitarbeiter zu motivieren, Mikrotraumata nicht zu verbergen?
  • Wie kann die Qualität von verhaltensbasierten Sicherheitsaudits durch Linienmanager verbessert werden?
  • Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der operativen Datenanalyse und Entscheidungsfindung im HSE-Bereich?
  • Wie balanciert man die Umsetzung von Risikobewertungsmaßnahmen unter Berücksichtigung der ressourcenbezogenen und finanziellen Einschränkungen des Unternehmens?
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