Der Übergang von einem formalen Ansatz zu einer echten Sicherheitskultur ist eine Herausforderung für jedes Unternehmen, insbesondere in konservativen Branchen. Irina Feigina, stellvertretende Generaldirektorin für HSE bei der "Jenissei-Flussschifffahrtsgesellschaft" (Nornickel), teilt ihre Erfahrungen bei der Transformation der HSE-Funktion im größten Schifffahrtsunternehmen Sibiriens. Die Referentin analysiert den Weg von isolierten Abteilungen und dem Misstrauen der Mitarbeiter hin zur Schaffung eines einheitlichen Systems, in dem Sicherheit zur gemeinsamen Sache wird.
Die Veränderungen begannen mit der Anwendung des Deming-Kreises und der Sicherung der Unterstützung durch das Top-Management. Im Jahr 2024 wurde ein Lenkungsausschuss für Arbeitssicherheit unter der Leitung des Generaldirektors gegründet. Dies ermöglichte Folgendes:
Um das Misstrauen seitens der Produktionsmitarbeiter zu überwinden, wurde das Kommunikationsprojekt "Sprechen, Antworten, Hören, Diskutieren" (GOSA) ins Leben gerufen. Regelmäßige Treffen mit den Arbeitsteams ermöglichten es, reale Probleme zu identifizieren und diese zeitnah zu lösen. Die Referentin zeigt an einem Beispiel, wie das Feedback der Mitarbeiter zu konkreten Verbesserungen führte: der Einrichtung eines sicheren Übergangs zum Lastkahn und der Installation einer mobilen Plattform zur Wartung des Kühlturms. Innerhalb eines Jahres wurden mehr als 100 Treffen durchgeführt und über 200 Maßnahmen umgesetzt, was den Mitarbeitern bewies: Ihre Stimme wird gehört.
Eine Analyse der Vorfälle deckte ein niedriges Kompetenzniveau auf: Die Mitarbeiter kannten oft grundlegende Sicherheitsanforderungen nicht (z. B. die richtige Verwendung von PSA). Als Reaktion darauf wurde ein Projekt zur Transformation der Ausbildung gestartet:
Der Übergang zu partnerschaftlichen Beziehungen bedeutet keinen Verzicht auf Kontrolle. Um Konflikte bei Inspektionen zu vermeiden, wurden digitalisierte Checklisten für die Produktionskontrolle entwickelt (getrennt für Küstenabteilungen und die Flotte). Ein wichtiger Schritt war die Erhöhung der Datentransparenz: Der Anstieg der registrierten Vorfälle wird nicht als Verschlechterung der Situation betrachtet, sondern als Indikator dafür, dass die Mitarbeiter keine Angst mehr haben, Vorfälle zu melden. Dies ermöglicht qualitativ hochwertige Untersuchungen und verhindert Wiederholungen.
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