Umgang mit wesentlichen und kritischen Risiken durch Bow-Tie-Modelle

Fallstudie
16 Dezember 2020 🇷🇺 Originalsprache: русский

Von „Flächenbombardements“ zum gezielten Risikomanagement

Der Übergang großer Industrieunternehmen zu einem risikoorientierten Ansatz ist eine logische Phase in der Entwicklung von Arbeitssicherheitssystemen. Die Praxis zeigt, dass die massenhafte Einführung vieler isolierter Instrumente („Flächenbombardements“) oft ineffektiv ist: Initiativen setzen sich vor Ort aufgrund der unterschiedlichen Spezifika der Anlagen und mangelnder Ressourcen nicht durch. In seinem Vortrag erläutert Juri Solodownikow, Leiter der Abteilung für die Entwicklung der Arbeitssicherheitskultur bei Gazprom Neft, wie das Unternehmen sein Managementsystem transformiert hat, indem es sich durch eine Barrierenlogik auf wesentliche und kritische Risiken konzentriert.

Architektur des risikoorientierten Ansatzes

Die Grundlage des neuen Systems bildete das Programm „Sicherheitsgerüst“, das auf fünf Schlüsselelementen basiert:

  • Zielsetzung und Priorisierung: Identifizierung der Top-31 kritischen Szenarien (potenzieller Schaden von über 8 Milliarden Rubel, Umweltkatastrophen, mehrfache Todesfälle) und der Top-76 wesentlichen Risiken.
  • Priorisierung von Barrieren: Einsatz von Bow-Tie-Diagrammen zur Bestimmung der effektivsten Maßnahmen zur Vermeidung von Vorfällen.
  • Sicherstellung der Funktionsfähigkeit: Entwicklung strenger Kriterien für jede Barriere. Wenn auch nur ein Kriterium nicht erfüllt ist, gilt die gesamte Barriere als funktionsunfähig.
  • Überprüfung und Analyse: Regelmäßige Inspektionen durch Fachabteilungen unter Verwendung einheitlicher Checklisten.
  • Menschen: Entwicklung von Kompetenzen und einer Sicherheitskultur, die alle Elemente des Systems miteinander verbinden.

Wie man die Effektivität der Arbeitssicherheit misst

Eines der Hauptprobleme der Branche bleibt die Bewertung des Fortschritts im HSE-Bereich. Der Referent zeigt am Beispiel seines Unternehmens, dass der Implementierungsstatus und die Funktionsfähigkeit von Schutzbarrieren als Effektivitätsmetrik dienen können. Um Doppeldeutigkeiten bei Inspektionen zu vermeiden (z. B. Streitigkeiten darüber, wo genau ein Mitarbeiter ein persönliches Gasmessgerät tragen sollte), wurden einheitliche Checklisten eingeführt. Dies ermöglichte die Schaffung einer gemeinsamen Informationsbasis für Linienmanager und Inspektoren.

Kaskadierung von Instrumenten auf die Produktionsebene

Ein wichtiger Schritt in der Systementwicklung war die Übergabe von Risikoanalyse-Tools direkt an das Business. Das Unternehmen entwickelte eine eigene IT-Lösung zur Erstellung von Bow-Tie-Diagrammen und schulte Hunderte von Linienmanagern in der Methodik. Nun können Anlagen- und Bereichsleiter selbstständig:

  • Risiken auf taktischer und operativer Ebene bewerten.
  • Barrieren-Sets für spezifische Standorte und Arbeitsprozesse erstellen.
  • Die gezielte Budgetierung von Sicherheitsmaßnahmen für einen Zeitraum von drei Jahren begründen.

Dieser Ansatz hat das Instrument über die HSE-Abteilung hinaus zu einem Arbeitsmechanismus für die Produktionsmitarbeiter gemacht.

Prozessoptimierung und Abschaffung ineffektiver Praktiken

Die Einführung neuer risikoorientierter Instrumente erfordert unweigerlich eine Überprüfung alter Prozesse. Im Rahmen des Webinars wurden auch die Ergebnisse einer Branchenumfrage diskutiert, die zeigten, dass die überwiegende Mehrheit der HSE-Leiter (etwa 96 %) regelmäßig ineffektive Praktiken abschafft – wie etwa doppelte Inspektionen und übermäßige Berichterstattung. Dabei betonen Experten die Bedeutung der vorherigen Digitalisierung des Arbeitsaufwands (Arbeitstag-Fotografie) für die fundierte Ablehnung veralteter Verfahren.

Was Sie in diesem Webinar lernen werden:

  • Wie man kritische Szenarien identifiziert und das HSE-Budget darauf fokussiert?
  • Wie man das Bow-Tie-Modell zur Bewertung der Funktionsfähigkeit von Schutzbarrieren nutzt?
  • Was zu tun ist, wenn eine Barriere versagt und ein Vorfall eintritt?
  • Wie man Linienmanager in die eigenständige Risikobewertung in ihren Bereichen einbezieht?
  • Warum es bei der Einführung neuer Sicherheitsprozesse notwendig ist, ineffektive alte Praktiken abzuschaffen?
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