Der Übergang großer Industrieunternehmen zu einem risikoorientierten Ansatz ist eine logische Phase in der Entwicklung von Arbeitssicherheitssystemen. Die Praxis zeigt, dass die massenhafte Einführung vieler isolierter Instrumente („Flächenbombardements“) oft ineffektiv ist: Initiativen setzen sich vor Ort aufgrund der unterschiedlichen Spezifika der Anlagen und mangelnder Ressourcen nicht durch. In seinem Vortrag erläutert Juri Solodownikow, Leiter der Abteilung für die Entwicklung der Arbeitssicherheitskultur bei Gazprom Neft, wie das Unternehmen sein Managementsystem transformiert hat, indem es sich durch eine Barrierenlogik auf wesentliche und kritische Risiken konzentriert.
Die Grundlage des neuen Systems bildete das Programm „Sicherheitsgerüst“, das auf fünf Schlüsselelementen basiert:
Eines der Hauptprobleme der Branche bleibt die Bewertung des Fortschritts im HSE-Bereich. Der Referent zeigt am Beispiel seines Unternehmens, dass der Implementierungsstatus und die Funktionsfähigkeit von Schutzbarrieren als Effektivitätsmetrik dienen können. Um Doppeldeutigkeiten bei Inspektionen zu vermeiden (z. B. Streitigkeiten darüber, wo genau ein Mitarbeiter ein persönliches Gasmessgerät tragen sollte), wurden einheitliche Checklisten eingeführt. Dies ermöglichte die Schaffung einer gemeinsamen Informationsbasis für Linienmanager und Inspektoren.
Ein wichtiger Schritt in der Systementwicklung war die Übergabe von Risikoanalyse-Tools direkt an das Business. Das Unternehmen entwickelte eine eigene IT-Lösung zur Erstellung von Bow-Tie-Diagrammen und schulte Hunderte von Linienmanagern in der Methodik. Nun können Anlagen- und Bereichsleiter selbstständig:
Dieser Ansatz hat das Instrument über die HSE-Abteilung hinaus zu einem Arbeitsmechanismus für die Produktionsmitarbeiter gemacht.
Die Einführung neuer risikoorientierter Instrumente erfordert unweigerlich eine Überprüfung alter Prozesse. Im Rahmen des Webinars wurden auch die Ergebnisse einer Branchenumfrage diskutiert, die zeigten, dass die überwiegende Mehrheit der HSE-Leiter (etwa 96 %) regelmäßig ineffektive Praktiken abschafft – wie etwa doppelte Inspektionen und übermäßige Berichterstattung. Dabei betonen Experten die Bedeutung der vorherigen Digitalisierung des Arbeitsaufwands (Arbeitstag-Fotografie) für die fundierte Ablehnung veralteter Verfahren.
Entdecken Sie die vollständige Bibliothek bewährter Praktiken der Arbeitssicherheit
Zur Bibliothek